Reisetagebuch – San Blas Inseln

Die San Blas Inseln gehören für uns definitiv zu den schönsten Orten, die wir bisher sehen durften. Sie sind ursprünglich, nicht touristisch und durch fehlende Internetverbindung oder sonstige Kommunikationsmöglichkeit zur Außenwelt wie für uns gemacht. Was man hier nicht findet sind luxuriöse Hotelketten und gesäuberte Strände – dafür Natur pur und viele Kokosnüsse.

  • 21.04.2015, von Panama City zu den San Blas Inseln

Der Tag beginnt- wie so oft auf unseren Reisen – früh, genauer gesagt vor Sonnenaufgang. Wir sollen um 06:00 Uhr abgeholt werden, davor müssen aber noch die Rucksäcke gepackt werden.

Da es auf den San Blas Inseln weder Strom noch fließend Wasser gibt, muss man sein Trinkwasser für den Aufenthalt selbst mitbringen. Ziemlich bald nachdem wir abgeholt werden, halten wir also bei einem größeren Supermarkt auf der Hauptstraße Richtung Ostküste. Die Hauptmahlzeiten sind im Preis der Übernachtung inbegriffen, wir kaufen also nur 6 Liter Wasser – ein Fehler, den wir später mit viel Hunger büßen werden.

Bevor die Fahrt weiter gehen soll, meint unser Fahrer plötzlich, dass uns beide eigentlich ein anderer Wagen hätte abholen sollen und er uns nicht weiter mitnehmen könne. Wir sollen aber einfach hier am Parkplatz warten, der richtige Fahrer würde schon irgendwann kommen und uns abholen. Leicht nervös, dass wir hier mitten in Panama auf einem Parkplatz abgeladen werden und auf einen Mann warten sollen, dessen Sprache wir nicht sprechen und den wir noch nie zuvor gesehen haben, beginnen wir zu diskutieren ob er uns nicht doch mitnehmen könne. Er verneint, willigt aber ein mit uns auf unseren Fahrer zu warten. Nach 30 Minuten wird es ihm zu blöd und er nimmt uns doch mit.

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Nun beginnt der eigentliche Spaß: Die dreistündige Jeepfahrt durch den Regenwald zur östlichen Küste Panamas. Der Blick über die dicht bewachsenen Hügel  ist wahnsinnig schön, die Geschwindigkeit auf den kurvigen Straßen nicht. Beide blicken wir schon seit einiger Zeit lethargisch nach vorne, Jonathan ist ganz blass und eine andere Mitreisende muss sich fast übergeben. Aber mit ein bisschen Humor über die holprige Fahrt geht es weiter und wir kommen heil an der Küste an.

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Der „Hafen“ ist gekennzeichnet durch einen „Warteraum“ aus Holzbrettern und einem Wellblechdach, Erdstufen führen zu den Booten. Nach hektischen Diskussionen wer auf welche Insel soll, wird beschlossen, dass wir gemeinsam mit ein paar anderen Leuten zu den „Ina Cabins“ fahren sollen. Gesagt, getan: unsere Rucksäcke werden in einem Loch des Bootrumpfes verstaut und los geht´s. Zuerst fahren wir gemächlich aus der Bucht hinaus, später immer schneller. Der Wellengang ist an diesem Tag mäßig, die Boote aber dermaßen fehlkonstruiert, dass man ab der dritten Sitzreihe komplett nass wird. Glück gehabt, wir sitzen vorne. Was nicht bedeutet, dass wir nicht nass werden, nur weniger als alle anderen. Nach zirka einer Stunde Fahrt sehen wir sie endlich: Unsere Insel.

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Nach der Ankunft werden die Rucksäcke ausgeladen und die Hütten verteilt. Auf dem San Blas Archipel dürfen keine Hotels gebaut werden, die Inseln gehören den Kuna, den Einheimischen.

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Zugeteilt werden die Hütten vom Chef der Insel, einem unglaublich verwirrten Mann mit ständig finsterer Miene und wild gestikulierender Gebärdensprache. Die Hütte selbst besteht aus Holz, getrockneten Palmenwedeln als Dach und einem Tuch, das als Tür dient. Im Inneren gibt es keinen Fußboden, bloß ein einfaches Bettgestell mit einer  Matratze und ein Moskitonetz. Ein dünnes Leintuch bekommen wir auch noch.

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Da es wie gesagt auf den San Blas Inseln kein fließendes Wasser gibt, sind Sanitäranlagen und Dusche nur sehr dürftig ausgestattet: Ein Wassereimer ersetzt die Toilettenspülung. Der Zustand des Waschraumes ist so widerwärtig, dass wir uns die nächsten drei Tage nicht duschen werden.

Aber wir nehmen es mit Humor, denn wir sind gestrandet im Paradies! Heller, feiner Sand, Palmen, ein paar Hütten, Hängematten, hunderte Kokosnüsse und das Meer. Mehr gibt es nicht, mehr brauchen wir nicht. Den restlichen Tag verbringen wir damit uns ein stilles Plätzchen am Ende der Insel zu suchen und Pelikane zu beobachten, die über dem Strand ihre Kreise ziehen. Traumhaft.

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Das Signal zum Mittagessen besteht darin, dass der Koch in eine Muschel bläst, sobald das Essen fertig ist. Dieser Ruf ist auch auf der ganzen Insel zu hören, sie ist ja nicht groß. Und in diesem Moment wird uns klar, dass es ein Fehler war keine Snacks mit zu bringen. Es gibt Reis mit Salat, für die anderen noch ein bisschen Fleisch. Es schmeckt gut, ist aber einfach viel zu wenig.

Nach dem Essen machen wir eine „Inselumrundung“, einen langsamen Spaziergang entlang des Strandes. Dabei passieren wir auch die Hütten der Einheimischen und fragen uns wie es wohl sein muss sein ganzes Leben auf dieser Insel zu verbringen. Nach einer halben Stunde sind wir wieder am Startpunkt angekommen.

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Der „Schulbus“ auf den San Blas – mit Booten werden die Kinder nach der Schule wieder auf die einzelnen Inseln verteilt, freudiges Bellen der Hunde inklusive.

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Den restlichen Tag verbringen wir schwimmend im Meer, dösend in der Hängematte und am Abend ertönt wieder die Muschel – mehr Reis mit Salat.

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  • 22.04.2015, Inselhopping im San Blas Archipel

Als wir aufwachen ist es noch ganz still, man hört lediglich das Rauschen der feinen Wellen. Wir beschließen einen Morgenspaziergang zu machen solange alle Anderen noch schlafen und wir die Insel für uns haben. Eine Stunde lang sitzen wir im Sand und sehen uns den Sonnenaufgang an. Dann ertönt auch schon die Frühstücksmuschel – zwei Toastscheiben mit Marmelade.

Am Vortag haben wir mitbekommen, dass einige Leute mit dem Chef der Insel noch ein paar andere unbewohnte Inseln erkunden wollen und wir beschließen mitzukommen. Wir werden in ein noch schäbigeres Motorboot als am Tag zuvor verfrachtet und los geht die wilde Sause. Da wir aus der gestrigen Fahrt ja bereits gelernt haben, setzen wir uns gleich in die vorderste Reihe.

Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichen wir die erste Insel, ein Paradies wie aus dem Reisekatalog.

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Der nächste Halt soll ein Schnorchelspot sein, der sich aber als Reinfall herausstellt: Wir fahren zu keiner Insel sondern eher einem Sandhaufen im Wasser umgeben von einem toten Korallenriff. Der Ausblick auf die anderen Inseln ist aber sehr nett.

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Es ist mittlerweile zirka 14 Uhr und die Hitze unerträglich. Nach dem Schnorcheln versucht sich Irene auf der schattenlosen Insel in zwei mitgebrachte Handtücher zu hüllen um ihre weiße Marshmallowhaut vor der unbarmherzigen Sonne zu schützen. Einen Plastikstuhl mit drei Beinen gibt es auch, perfekt.

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Endlich soll es weiter gehen, ab zum Mittagessen. Wir steigen alle ins Boot, freuen uns auf eine andere Insel, Schatten und Nahrung. Der Ausdruck auf unseren Gesichtern, als plötzlich der Motor nicht mehr anspringt, ist unbeschreiblich. Mitten zwischen den schönsten karibischen Inseln ohne Zivilisation im Umkreis von zwei Stunden Bootsfahrt sitzen wir hier in der brütenden Mittagshitze ohne funktionierenden Motor fest. Obwohl Jonathan stets der Optimist unter uns beiden ist, wird auch er nach mehreren Startversuchen langsam nervös. Nach zehn qualvollen Minuten springt der Motor wieder an, die Erleichterung ist allen anzusehen.

Wir fahren zurück auf die erste Insel, hier wartet die ansässige Kleinfamilie netterweise bereits mit einem Mittagessen auf uns. Es gibt Reis, gekochtes Gemüse und einen frisch gefangenen, karibischen Fisch. Der abgemagerte Hund der Familie sieht uns mit großen Augen an. Weil wir die Familie nicht beleidigen wollen gehen wir mit unseren Tellern zum anderen Ende der Insel, wo ihm Irene ihren Fisch und die Hälfte von Reis und Gemüse überlässt. Jonathan gibt ihm auch ein Bisschen ab und meint, das war der beste Fisch, den er je gegessen hat. Wir denken dem Hund hat es auch geschmeckt.

Als Irene die schmutzigen Teller in eine der Hütten bringt, sieht sie die Einheimischen bei einem wahren Fressgelage: Alleine unser Inselchef hat drei ganze Hühner für sich. Futterneid beschreibt unsere Gefühle in diesem Moment ziemlich genau.

Nach dem Essen beschließen wir zu zweit die Insel zu erkunden und finden uns in einem dicht bewachsenen Palmenwald wieder. Außer dem Rauschen der Wellen, dem Wind und unseren Schritten im Sand herrscht absolute Stille.

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Einheimische spießen gesammelte Muscheln auf Stöcken auf um sie später essen zu können.

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Jonathan sucht uns anschließend eine Palme, unter der wir unser Handtuch ausbreiten können, Irene sammelt eine Kokosnuss. Ein Mann aus unserer Gruppe hilft ihr sie mit einer 50 Zentimeter langen Machete zu öffnen. Besser geht´s einfach nicht: Hier sitzen wir, auf einer unbewohnten Insel in der Karibik ganz alleine unter einer Palme und essen eine frisch geöffnete, junge Kokosnuss. Noch heute ist die Erinnerung an diesen Moment einfach unbeschreiblich.

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Zum Abschluss geht es wieder zu einer unbewohnten Insel. Langsam aber sicher wird die Sonne jedem zu viel und Irene ist nicht mehr die Einzige, die sich während der Bootsfahrt mit Handtüchern den Kopf bedeckt. Auf der Insel angekommen sucht sie erstmal Schatten und breitet das Handtuch unter einem der Sträucher aus. Sekunden später flüchtet sie vor ungefähr hundert hartnäckigen, kleinen Mücken, die beginnen sie am ganzen Körper zu Stechen. Sie hüpft herum und versucht sie zu vertreiben, als letzte Rettung hilft aber nur mehr ein Sprung ins Wasser – schallendes Gelächter der Gruppe inklusive.

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Der Weg zurück zu unserer „Heimatinsel“ ist anstrengend, die Sonne knallt herunter und nicht alle haben genügend Wasser mitgenommen. Einigen sieht man die Sonne auch schon in Form von großflächigen Sonnenbränden an. Auf halbem Weg macht der Motor wieder schlapp, diesmal ist die Ursache aber einfach: Wir haben keinen Sprit mehr. Genau in diesem Moment kommt ein Freund unseres Chefs mit einem anderen Boot vorbei und wir zapfen ihm mit einem Schlauch ein bisschen Sprit ab – Glück braucht der Mensch.

Den restlichen Abend verbringen wir in Hängematten am Strand und spielen Beachvolleyball, Jonathans Team gewinnt. Danach folgt wieder das Muschelgebläse für den traditionellen Reis mit Salat.

  • 23.04.2015, von den San Blas Inseln zurück nach Panama City

Am nächsten Morgen heißt es auch schon wieder Abschied nehmen. Wir packen unsere Rucksäcke, essen noch schnell einen Marmeladentoast und beladen das Boot. Ein bisschen traurig darüber wie schnell die Zeit vergangen ist, machen wir uns auf die Rückreise nach Panama City. Doch schon morgen sollen uns neue Abenteuer in Bocas del Toro erwarten…


Organisation und Tipps:

  • Pauschalpreis für 3 Tage/2 Nächte: ca 300€ pro Person, inbegriffen sind Abholung vom Hostel in Panama City, Transport, eine private Hütte, Mahlzeiten und Hunger. Den hohen Preis rechtfertigen die Abgeschiedenheit, das Abenteuer, die Unterstützung der einheimischen Bevölkerung und der Naturschutz, der uns sehr am Herzen liegt.
  • Anfahrt: zirka dreistündige Jeepfahrt durch den Regenwald Panamas, anschließend etwa einstündige Fahrt mit dem Longtailboot – abhängig davon auf welche Insel man kommt.
  • Nicht vergessen: Genügend Wasser (keines vor Ort erhältlich), Stirnlampe (keine Elektrizität), Moskitoschutz, Snacks je nach Bedarf
  • Tipp: Es ist ja bekannt, dass jährlich mehr Menschen durch fallende Kokosnüsse als durch Haiangriffe getötet werden. Auch Irene hätte beinahe eine getroffen, wäre sie nicht kurz für ein Foto stehen geblieben. Gut aufpassen!