Ko Phi Phi Don – Wanderwahnsinn zwischen Traumstränden

Halb verdurstet und unsere Beine nicht mehr spürend kommen wir wieder in unserem Hostel an. Manchmal fragen wir uns selbst, wie wir es immer wieder schaffen in solche Situationen zu geraten. Die Idee auf Ko Phi Phi Don zu wandern war zwar gut, an der Ausführung hätte man jedoch noch etwas feilen können…

Wir befinden uns auf der wunderschönen Insel Ko Phi Phi Don, gelegen in der Andamanensee im Westen Thailands. Um den Touristenmassen auf den Hauptstränden zu entgehen, fliehen wir am ersten Nachmittag gleich zu einem der abgelegenen Strände, zirka 30 Minuten Fußmarsch entfernt. Nach ein paar wundervollen Stunden am Long Beach fragen wir uns, ob es nicht noch mehr versteckte Buchten auf Ko Phi Phi geben könnte. Wir werfen einen Blick auf die Karte und bemerken, dass die Insel gar nicht so groß ist, es sollte noch fünf weitere ruhige Strände geben. Wer von uns beiden die Idee hatte die gesamte Inseln abzuwandern, wissen wir nicht mehr genau, aber es klingt doch sehr nach Irene. Jonathan ist einverstanden und so machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg.

Eigentlich beginnt alles ganz harmlos. Es ist neun Uhr morgens und während die ersten Menschen mit ihren Badematten zum Strand gehen, ziehen wir unsere Wandersachen an und machen uns auf den Weg in die entgegensgesetzte Richtung. Direkt neben unserer Unterkunft beginnen die Stiegen zum bekanntesten Aussichtspunkt der Insel – Die Unterkuft hatten wir strategisch gewählt, da es nur wenige Tage vor unserer Anreise ein starkes Erdbeben mit Tsunamiwarnung gab. Die steilen Stufen gefolgt von ein paar Serpentinen sind in wenigen Minuten überwunden, oben angekommen genießen wir den herrlichen Blick über die ganze Insel.

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Wir beobachten den Beginn der Flut, die am Ende nur noch einen schmalen Steg zwischen dem West- und dem Ostteil der Insel zurück lässt.

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Unser nächstes Ziel ist eine Bucht im Osten – Rantee Bay – und so machen wir uns auf den Weg durch den Wald. Es gibt zwar ein paar wenige Schilder, die eine grobe Idee zu verschiedenen Richtungen geben, aber wirklich schlau wird man aus ihnen nicht. Somit können wir nur erahnen, wann der Weg zur Bucht abzweigen soll. Schließlich finden wir doch einen kleinen Pfad, der nach rechts abbiegt und versuchen unser Glück.

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Es geht bergab, bergab und weiter bergab, die Sonne ist für 10 Uhr bereits sehr stark und wir kämpfen uns schwitzend den Trampelpfad entlang. Dieser wird natürlich nicht in Stand gehalten und so müssen wir immer wieder anhalten um Äste aus dem Weg zu räumen, unter umgestürzte Bäume zu kriechen oder kleine Klettereinheiten einzulegen.

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Wir kommen nur langsam voran und der Weg, der eigentlich nur ein Katzensprung sein sollte, zieht sich unerwartet in die Länge. Schließlich ist das Meeresrauschen immer deutlicher zu hören und der Pfad verlässt den Wald. Der Strand ist schön, wir sind fast alleine und genießen die Atmosphäre.

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Gebt Irene eine Schaukel an einem einsamen Strand und sie ist glücklich.

Bald beschließen wir uns wieder auf den Weg zu machen, der nächste Strand soll nur wenige hundert Meter im Norden sein. Auf der Suche nach einem Pfad, der die Küste entlang führt, treffen wir auf zwei Thais, die vor ihrer Hütte sitzen und dabei keinen sehr beschäftigten Eindruck machen. Wir fragen sie nach dem schnellsten Weg zur nächsten Bucht und bekommen zwei Möglichkeiten erklärt. Wir können entweder den Weg entlang gehen, auf dem wir bereits her gekommen sind oder durch das Wasser entlang der Steinbucht gehen: Die Abkürzung. Die Flut habe noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, wir sollten uns aber lieber beeilen. Kurz zweifeln wir, ob das wirklich eine gute Idee ist, entscheiden uns dann aber doch für die Abkürzung und schmeißen uns in die Fluten. Rucksack und Kamera tragen wir über unseren Köpfen und können nur hoffen, dass unsere Elektronik diese Etappe gut übersteht. Als Jonathan das Wasser schon bis zum Bauchnabel reicht, die Wellen immer stärker werden und der Strand noch immer nicht in Sichtweite ist, brechen wir ab und kämpfen uns wieder zurück. Total erledigt fragen wir einen der Thais wie viel es kosten würde uns mit seinem Boot die 100 Meter bis zum nächsten Strand zu fahren und so beginnen die Verhandlungen. Wir bieten dem Mann 200 Baht für die Fahrt an – umgerechnet zirka fünf Euro. Dieser verlangt aber 200 Baht pro Person und lässt auch nicht weiter mit sich verhandeln. Er erklärt uns, dass wir Amerikaner – das geht ja schon einmal gar nicht, wir bezeichnen ihn ja schließlich auch nicht als Chinesen – nach Thailand kommen und glauben alles kaufen zu können, 400 Baht wären für uns sowieso nicht viel Geld. Aber weil uns zehn Euro für eine zweiminütige Bootsfahrt in Thailand zu viel sind, erklären wir die Verhandlungen für gescheitert. Es bleibt also nur noch Plan C: Mit brennenden Oberschenkeln aber erhobenen Hauptes stapfen wir eine Stunde lang wieder den gesamten Berg hinauf und an einer anderen Stelle hinunter zur nächsten Bucht – Phak Nam Bay.

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Diese Bucht wird weitgehend von Hotelbungalows eingenommen, der Strand selbst ist aber sehr nett und Irene findet eine Hängematte zum Entspannen.

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Mittlerweile haben wir kein Trinkwasser mehr, wollen aber nicht fünf Euro für einen halben Liter im Hotel bezahlen. Die erhoffte Abgeschiedenheit finden wir hier auch nicht und so ziehen wir weiter. Ein erneuter Anstieg auf den „Gipfel“ bleibt uns diesmal zum Glück erspart und wir können auf halber Höhe der Insel weiter in Richtung Norden wandern.

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Eine Stunde  später erblicken wir den nächsten Strand – Loh Ba Kao Bay. Allerdings ist eine „perfekt“ sterile Hotelanlage um den Strand gebaut und nimmt diesen komplett für sich in Anspruch. Als wir uns nähern, müssen wir noch über eine Mauer klettern, die mitten durch den Wald verläuft, und sind plötzlich mittendrin im Urlaubsparadies der Reichen und Schönen.

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Nach mehreren Stunden Wandern haben wir mehr denn je das Gefühl weder optisch noch olfaktorisch in diese Welt zu passen und suchen den Weg nach Draußen noch bevor wir überhaupt richtig angekommen sind. Wir fragen einen Angestellten, der mit seinem Golfwagen an uns vorbei fährt, nach dem Ausgang aus diesem Glamourpalast. Doch anstatt uns den Weg zu erklären bietet er uns einen Platz in seinem Gefährt an.

Verschwitzt, durstig und einem Sonnenstich nahe sitzen wir also in einem Golfwagen und werden vom Angestellten eines Fünf-Sterne-Hotels durch die gestriegelte Hotelanlage geführt. Selten haben wir uns so fehl am Platz gefühlt. Er fährt uns zum Hauptausgang der Anlage und wir bedanken uns grinsend. Ob er verstanden hat, dass wir eigentlich gar keine Gäste sind, wissen wir bis heute nicht, aber das ist uns in diesem Moment auch egal. Nahe des Hotelausgangs finden wir sogar noch ein kleines Geschäft, in dem wir uns neue Wasserreserven zu einheimischen Preisen zulegen.

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Außerdem befindet sich hier eine wunderschöne Lagune umringt von einfachen Hütten, was eine schöne Abwechslung zum Rest der Insel darstellt. Es gibt sie also noch, die einheimische Bevölkerung auf Ko Phi Phi.

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Nachdem wir schon so weit gekommen sind, entscheiden wir uns trotz deutlich spürbarer Erschöpfung für die Maximalvariante und brechen zum nördlichsten Punkt der Insel auf. Dabei kommen wir an einem tollen Aussichtspunkt mit Pavillon vorbei. Wir genießen den Schatten, trinken Wasser und blicken lethargisch auf das Meer.

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Nach dieser kleinen Pause setzen wir unseren Weg weiter fort und kommen nach zirka 30 Minuten am Laemtong Beach an. Trotz weiterem luxuriösem Resort ist der Strand nett, wir kühlen uns ein wenig ab und freuen uns das Ziel erreicht zu haben.

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Doch uns wird klar, dass jetzt erst der Heimweg beginnt. Schließlich geben wir uns einen Ruck und brechen wieder auf. Nach 45 Minuten kommen wir wieder an der Lagune vorbei, biegen nach rechts ab zur anderen Inselseite. Ein paar hundert Meter weiter liegt auch schon Loh Lana Bay – die erste Bucht ganz ohne Hotel – und Jonathan geht erstmal eine Runde schwimmen. Endlich ein Strand, der unseren Vorstellungen entspricht.

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Blick nach links
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Blick nach rechts

Die Hitze ist mittlerweile kaum auszuhalten und unsere Gehirne sind von der stundenlangen Sonneneinstrahlung gar. Der Spaßfaktor unseres Ausfluges nähert sich langsam aber sicher dem Nullpunkt als wir zwei Thais bemerken, die mit ihrem Boot gerade die Bucht verlassen wollen. Wir erfahren, dass sie zum Hauptstrand, nur wenige Schritte entfernt von unserem Hostel, fahren wollen und somit sind die  Preisverhandlungen wieder eröffnet! Jonathan bietet ihnen diesmal 400 Baht an um uns mitzunehmen, aber sie wollen 400 Baht pro Person – fast 20 Euro für eine Fahrt, die sie ohnehin machen wollen! Verzweifelt versuchen wir einen Kompromiss auszuhandeln, doch da fahren sie auch schon weg und lassen uns am Strand zurück. Jonathan starrt fassungslos in die Ferne und Irene beginnt zu lachen. Ob hysterisch oder amüsiert ist nicht klar herauszuhören, dem Blick zufolge eher Ersteres. Wir fühlen uns wie gestrandet und eine gewisse Verzweiflung  macht sich breit, wir haben nämlich kein Trinkwasser mehr. Nach kurzen Überlegungen was Bear Grills jetzt tun würde, erkennen wir, dass es in unserer Situation nur eine vernünftige Möglichkeit gibt: Weiter wandern! Und so machen wir uns auf zum letzen Marsch.

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Der Weg wird wieder hügeliger, ab und zu gibt es Entfernungsangaben bis zum Ort, die sich allerdings widersprechen und keinen Sinn ergeben, manche Schilder führen in die falsche Richtung. Vielleicht sind wir bei unserem aktuellen Hydratationsstatus auch einfach nicht mehr in der Lage Entfernungsangaben sinnerfassend zu interpretieren. (Wie fertig wir auf dieser letzten Etappe waren, zeigt die Tatsache, dass es ab Loh Lana Bay kaum mehr Fotos auf der Kamera gibt). Wie im Autopilot-Modus schleppen wir uns die engen, steilen Pfade entlang und finden uns mit unserem Schicksal ab. Die Sonne steht mittlerweile deutlich tiefer am Himmel und als wir schließlich den Ort erreichen, beginnt es bereits zu dämmern.

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Auf den letzten Metern ernten wir noch einige verwunderte Blicke von anderen Touristen, die entspannt ihre Kokosnüsse und Schirmchen-Cocktails schlürfen. So hätten wir unseren Tag auch verbringen können, aber das wären ja nicht wir …


Organisation & Tipps:

  • Wer gerne bei tropischer Hitze, auf schlecht beschilderten und miserabel instandgehaltenen Pfaden wandert, dem kann man diesen Tagesausflug nur ans Herz legen. Wer sich lieber nur einzelne Strände ansehen will, der sollte sich vielleicht einfach ein Longtailboot mit Fahrer mieten.
  • Wir haben schöne Strände gefunden, die jedoch fast immer von Hotels in Anspruch genommen werden – der einzige „natürliche“ Strand war Loh Lana Bay. Am Rantee Beach gab es auch ein paar Hütten aber noch keine Hotels. Bei der Anzahl an Baustellen, die wir auf Ko Phi Phi gesehen haben, lässt sich allerdings nicht sagen, ob die anderen Buchten nicht auch schon bebaut sind.
  • Die Einheimischen auf Ko Phi Phi sind knallhart im Verhandeln und nicht unbedningt gut auf Touristen zu sprechen, sich individuelle Tarife auszuhandeln fiel uns eher schwer.
  • Für die 800 Baht, welche die Thais am Loh Lana Beach verlangten, haben wir am nächsten Tag einen ganztägigen Schnorchelausflug inklusive Frühstück und Mittagessen bekommen. Im Nachhinein sind wir froh, dass wir beim Preis nicht nachgegeben haben.
Ko Phi Phi map
Unsere Wanderroute auf Ko Phi Phi