Unsere Route durch Ost-Kanada – 5 Wochen Camping Roadtrip

Im Juli und August 2016 fliegen wir für fünf Wochen nach Kanada und starten von Montreal aus unseren Camping-Roadtrip. Die Route erstreckt sich über 13.000 Kilometer von Tobermory, Ontario im Westen bis hin nach St.Johns, Neufundland weit im Osten. Dabei sind wir auf einsamen Straßen immer auf der Suche nach der nächsten Tankstelle, legen etliche Kilometer auf Wanderwegen zurück, beobachten wilde Bären, Elche, Wale und Robben, campen in wunderschönen Nationalparks und genießen die Abgeschiedenheit Kanadas unberührter Natur. So wahnsinnig viel ist in diesen fünf Wochen passiert, dass ein einziger Beitrag gar nicht reicht um alle Geschichten zu erzählen. Deshalb soll dieser Post erst einmal eine grobe Zusammenfassung sein.

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Tag 1-3: Bevor wir in die weite Wildnis Kanadas aufbrechen, erkunden wir in den ersten Tagen erst einmal Montreal. Wir spazieren durch die Downtown, besteigen den Mont Royal, von welchem man einen wunderschönen Ausblick über die Skyline der Stadt genießen kann, und besuchen die Ile de Soeurs. Das Viertel Sherbrooke, in dem sich unsere Unterkunft befindet, beeindruckt uns mit seinen spektakulären Graffitis.

Am nächsten Tag besuchen wir das Saint Joseph Oratory, das moderne Olympiastadion, die Altstadt mit der schönen Basilika Notre-Dame de Montréal und den alten Hafen, den man hervorragend vom Leuchtturm „Tour de L´Horloge“ überlicken kann. Am Abend treffen wir uns mit einer Freundin, die wir auf unserer Afrika-Safari im April 2016 kennengelernt haben und besuchen noch einmal den Mont Royal bei Dämmerung.

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Blick auf die Skyline Montreals vom Mont Royal
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Im Stadtteil Sherbrooke haben uns besonders die Graffitis gefallen
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Saint Joseph Oratory
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Von der „Ile de Soeurs“ hat man einen tollen Blick auf die Downtown

Tag 4+5: Endlich geht es los: Wir holen das Mietauto ab und starten unseren Roadtrip Richtung Neufundland! Am Weg zu unserem nächsten Halt statten wir den atemberaubenden Wasserfällen „Montmorency“ und „Cutes-de-la-Chaudiére“ einen Besuch ab und übernachten anschließend auf einem Unicampus am Stadtrand von Quebec City. Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug über die malerische Saguenay Schlucht nach Tadoussac um mit einem kleinen Schlauchboot nach Walen Ausschau zu halten und sind dabei zum Glück erfolgreich.

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Der Montmorency Wasserfall befindet sich nur wenige Minuten von Montreal entfernt
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Blick auf den idyllischen Canyon von Saguenay
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Auf einem sogenannten Zodiac-Boot machen wir uns auf die Suche nach Walen
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Ein schöner Rücken kann auch entzücken – ein Zwergwal stattet uns einen Besuch ab

Tag 6-8: Am Vormittag erkunden wir die kleine aber feine Altstadt von Quebec City mit dem imposanten Château Frontenac und fahren anschließend mit kurzem Zwischenstopp bei den „Grand Falls“ weiter zum Fundy Nationalpark. Hier dürfen wir zum ersten Mal kanadische Campingluft schnuppern und sind von Anfang an begeistert. Die nächsten zwei Tage verbringen wir durchgehend auf Wanderwegen zu versteckten Wasserfällen und Stränden begleitet von Elchrufen und dem Heulen der Wölfe, schlafen umgeben von den Geräuschen des Waldes ein und wachen neben Eichhörnchen und Hasen auf, die in der Früh unser Zelt umzingeln. So verbunden mit der Natur haben wir uns selbst beim Campen im afrikanischen Busch nicht gefühlt. Den Abschluss dieser magischen Tage bildet ein Abstecher zu den Hopewell Rocks, welche über Jahrtausende durch die Gezeiten zu spektakulären säulenartigen Felsformationen geformt wurden.

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Quebec City
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Laverty Falls, Moosehorn Trail, Fundy Nationalpark
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Sonnenaufgang über den nahezu endlosen Wäldern des Fundy Nationalparks
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Moosehorn Trail, Fundy Nationalpark
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Herring Cove Beach, Fundy Nationalpark
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Hopewell Rocks bei Flut, Bay of Fundy

Tag 9+10: Unsere erste Station an diesem Tag ist der Fundy Trail, eine traumhafte Küstenstraße etwas außerhalb des Nationalparks. Leider ist der Nebel an diesem Tag einfach zu stark – eine Panoramastraße macht daher wenig Sinn. So kehren wir um und fahren über die Joggins Fossil Cliffs zum Laurie Provincial Park, von dem aus wir am nächsten Tag einen wunderschönen Tagesausflug durch den Süden von Nova Scotia unternehmen. Wir beginnen den Tag beim malerischen Leuchtturm von Peggy´s Cove, erkunden anschließend den verträumten Ort Lunenburg und einige der endlosen Sandstrände entlang der Küste. Das würdige Finale des Tages ist eine Wanderung durch den unaussprechlichen Kejimkujjik Seaside Nationalpark, bei welcher wir sogar Robben beobachten können.

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Leuchtturm von Peggy´s Cove
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Peggy´s Cove
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Einer der einzigartigen Strände im Kejimkujjik Seaside Nationalpark

Tag 11+12: Nach einem Spaziergang über die Hafenpromenade von Halifax und der Besichtigung des Forts verschlägt es uns nach North Sydney. Dort legen wir im Cape Breton Highlands Nationalpark einige Kilometer auf Wanderwegen entlang des Cabot Trail zurück, der zu Recht als einer der schönsten Küstenstraßen der Welt gilt. Auf einer unserer Wanderungen sehen wir auch endlich unseren ersten Elch!

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Pier von Halifax
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Jack Pine Trail, Cape Breton Nationalpark
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Jack Pine Trail, Cape Breton Nationalpark
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Die berühmte Aussicht des Skyline Trail im Cape Breton Nationalpark

Tag 13: Heute nehmen wir die fünf stündige Fähre von North Sydney nach Port-aux-Basques und fahren weiter bis zum J.T. Cheeseman Provincial Park. Wir sind endlich in Neufundland! Hier wird es nochmal ein ganzes Stück ruhiger, wir treffen auf weniger Menschen und miserable Straßenverhältnisse. Außerdem gibt es hier nur einen funktionierenden Radiosender: „Moose FM“ oder auf Deutsch „Elch-Radio“, wahrscheinlich leben tatsächlich mehr Elche als Menschen in Sendereichweite. Aber bitte nicht falsch verstehen, wir lieben es hier!

Tag 14-18: Der erste Stopp im östlichsten Bundesland Kanadas ist der Gros Morne Nationalpark. Obwohl das Wetter nicht immer ganz so mitspielt, wie wir es gerne hätten, verbringen wir hier ein paar wundervolle Tage und genießen die spektakuläre Landschaft. Unter den zahlreichen Wanderungen bildet die geführte Tagestour – man darf diesen Abschnitt des Nationalparks nicht alleine betreten –  am Ende des Western Brook Pond das Highlight unserer Reise: Die ausführliche Geschichte dazu kommt noch! Nach einer unvergesslichen Zeit an diesem besonderen Ort brechen wir schweren Herzens auf um nach St.Johns zu fahren.

 

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Gros Morne Nationalpark
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Blick vom Lookout-Trail über Bonne Bay, Gros Morne Nationalpark
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Abstieg vom Lookout Trail, im Hintergrund die Tablelands, Gros Morne Nationalpark
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Blick auf den Western Brook Pond, Gros Morne Nationalpark

Tag 19: In der Hauptstadt von Neufundland spazieren wir durch den Ort, genießen den Ausblick vom Signal Hill und besuchen Cape Spear, den östlichsten Punkt Nordamerikas!

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Blick vom Signal Hill auf St. Johns

Tag 20: Nach einer Übernachtung im La Manche Provincial Park verbringen wir den Vormittag mit einer Bootstour in Bay Bulls auf der Suche nach Walen und Puffins. Wir haben Glück und sehen sogar zwei Buckelwale. Am Nachmittag fahren wir dann entlang der Ostküste bis zum Leuchtturm von Ferryland und unternehmen anschließend eine Wanderung entlang des menschenleeren East Coast Trails.

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East Coast Trail, Neufundland
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East Coast Trail, Neufundland

Tag 21+22: Nach einer stundenlangen Slalomfahrt über die mit Schlaglöchern übersähten Straßen Neufundlands und ohne auch nur einem einzigen anderen Auto zu begegnen, kommen wir bei der riesigen Vogelkolonie des Cape St. Mary’s Ecological Reserve an. Anschließend fahren wir zur schroffen Küste des Dungeon Provincial Parks, und erreichen am Abend schließlich den Terra Nova National Park, wo wir den nächsten Tag mit weiteren Wanderungen verbringen.

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Vogelkolonie des Cape St. Mary´s Ecological Reserve, zum Glück sind Fotos geruchlos
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Dungeon Provincial Park
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Blick über den Terra Nova Nationalpark

Tag 23+24: Die Fahrt durch Neufundland geht weiter in den abgelegenen Ort Twillingate auf der gleichnamigen Halbinsel. Der ursprüngliche Plan ist es Eisberge zu besichtigen, die hier vorbei treiben sollten. Da zu diesem Zeitpunkt aber gerade leider keine in der Nähe sind, sparen wir uns die Tour und nutzen unsere Zeit um die idyllische Halbinsel zu entdecken. Wir übernachten schließlich im Dildo Run Provincial Park, von dem aus wir am nächsten Tag wieder zurück zum J.T. Cheeseman Provincial Park aufbrechen. Am Weg dorthin halten wir für eine nette Wanderung im Barachois Pond Provincial Park an.

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Der überschaubare Ort Twillingate

Tag 25: Nach der Übernachtung im J.T.Cheeseman Provincial Park verlassen wir das atemberaubende Neufundland wieder und nehmen die Fähre zurück nach Nova Scotia. Dort angekommen legen wir noch einige Kilomoter auf der Straße zurück, bevor wir unser Zelt auf einem Hügel mit Seeblick im Whycocomagh Provincial Park aufschlagen.

Tag 26: Unser nächstes Ziel ist die Prince-Edward-Island, die wir über die fast dreizehn Kilometer lange Confederation Bridge erreichen. Am Fuße der Brücke befindet sich die Cape Jourimain National Wildlife Area, wo wir uns bei einem Spaziergang entlang der wilden Strände die Beine vertreten. An unserem Ziel angekommen bleibt noch Zeit für einen Strandbesuch im Prince-Edward-Island Nationalpark, wo wir auch unser Zelt für diese Nacht aufschlagen.

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Stanhope Beach, Prince Edward Island Nationalpark

Tag 27: In der Früh werden wir von einem heftigen Sommergewitter geweckt, und erfahren, dass für die nächsten Tage kein Ende des Schlechtwetters in Sicht ist. Deshalb beschließen wir früher abzureisen und wieder nach New Brunswick zu fahren, um nochmal unser Glück am Fundy Trail zu versuchen. Das Wetter meint es gut mit uns und wir genießen die Stunden umgeben von der tollen Landschaft der Bay of Fundy. Allerdings verbringen wir hier fast ein wenig zu viel Zeit, denn als wir am Abend bei unserem Campingplatz ankommen hat dieser bereits geschlossen und wir müssen diese Nacht im Auto schlafen.

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Fuller Falls, Fundy Trail

Tag 28: Durch die frühere Abfahrt von Prince-Edward-Island haben wir sozusagen einen  Tag dazu gewonnen und fahren daher in den La Mauricie Nationalpark in Québec, der unsere Erwartungen bei Weitem übertrifft! Auf einer langen Wanderung genießen wir die spektakuläre Landschaft mit Hügeln, Klippen, tiefblauen Seen und Nadelwald soweit das Auge reicht. Mehr Kanada geht nicht. Am Abend machen wir ein kleines Lagerfeuer und freuen uns, dass wir uns diese Nacht wieder im komfortablen Zelt ausstrecken können.

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Trail entlang der traumhaften Seen – Rivière à la pêche, La Mauricie Nationalpark
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Irene, die Herrin der Flammen, Rivière à la pêche, La Mauricie Nationalpark

Tag 29+30: Bevor wir den Nationalpark verlassen, wollen wir uns eine typische kanadische Aktivität nicht entgehen lassen und unternehmen daher nach zwei kleineren Wanderungen eine Kanufahrt. Anschließend brechen wir in Richtung Ontario auf, wo wir am Abend im Algonquin Provincial Park ankommen. Hier warten wieder ein paar tolle Wanderungen auf uns, wir sehen zum ersten Mal Elche aus nächster Nähe und machen die Erfahrung, dass man Bären immer dann begegnet, wenn man es am Wenigsten erwartet – das ist allerdings wieder eine andere Geschichte…

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Kanufahrt auf dem Wapizagonke See, La Mauricie Nationalpark
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Blick über den Wapizagonke See, La Mauricie Nationalpark
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Lookout Trail, Algonquin Provincial Park
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Eine Elchfamilie genießt ungestört ihre Mahlzeit am Straßenrand
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Ausblick vom Centennial Ridges Trail, Algonquin Provincial Park

Tag 31-33: Heute kehren wir zurück in die Zivilisation und fahren nach Toronto. Noch bevor wir den Algonquin Provincial Park verlassen, läuft in den frühen Morgenstunden ein Schwarzbär ganz gemächlich nur wenige Meter vor unserem Auto über die Straße. Was für ein perfekter Start in den Tag! In Toronto angekommen besichtigen wir gleich die Highlights der Stadt: Wir fahren auf den imposanten CN-Tower, schlendern durch die Downtown und nehmen ein Wassertaxi auf die Center Island.

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Tagesausflug zu den weltberühmten Niagara Fällen – für uns Wasserfall-Freaks natürlich ein Muss.

Der zweite Tagesausflug von Toronto aus führt uns in den Bruce Peninsula Nationalpark. Dort wandern wir entlang der versteckten Buchten bevor wir eine Bootstour unternehmen. Die Tour führt uns durch den Fathom Five Marine Nationalpark auf die Flowerpot Island, die wir anschließend zu Fuß entdecken.

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Blick von der Fähre auf die Skyline von Toronto
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Niagara Fälle, Blick vom Skylon Tower
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Flowerpot Island, Fathom Five Marine Nationalpark

Tag 34+35: Wir fahren in den  Thousand Islands Nationalpark und machen einen Zwischenstopp in Kingston, wo wir eine weitere Freundin besuchen, die wir ebenfalls in Afrika kennengelernt haben. Am nächsten Tag wartet eine Bootstour durch die zahlreichen Inseln (es sind tatsächlich über Tausend) auf uns und und wir bestaunen den Nationalpark von der Aussichtsplattform des „Thousand Islands Towers“. Noch am gleichen Abend fahren wir weiter zu unserem letzen Halt, der Hauptstadt Ottawa.

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Das Boldt Bastle gehört witzigerweise zu den USA, während der linke Teil der Insel noch kanadisch ist, Thousand Islands Nationalpark
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Blick vom „Thousand Islands Tower“

Tags 36:  Heute haben wir den ganzen Tag Zeit Kanadas schöne Hauptstadt zu entdecken, die uns mit dem unverkennbar britischen Flair des Parlamentshügels und den stimmungsvollen internationalen und regionalen Märkten positiv überrascht.

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Ottawa

Tag 37: Am letzen Tag unserer unvergesslichen Reise fahren wir zurück nach Montreal, wo wir nur noch unser Mietauto abgeben und zum Flughafen fahren.

Auch wenn wir uns immer wieder auf zu Hause freuen, wenn wir von unseren Reisen zurückkehren, überwiegt in dem Moment als der Flieger abhebt doch die Schwermut. Die Erlebnisse dieser fantastischen 37 Tage werden wir wohl niemals vergessen und einige davon haben auch ihren festen Platz in unseren Herzen.

 


Organisatorisches:

Auf unserer ersten Campingreise mieten wir uns das günstigste Auto, das wir finden können. Vor Ort kaufen wir uns einen Campingkocher (Campingequipment ist in Kanada meistens günstiger als in Europa) und füllen unseren Kofferraum mit Grundnahrungsmitteln. Die Kombination aus kleinem Auto und Zelt gefällt uns persönlich sehr gut und ist wohl auch die günstigste Variante.

Unsere Unterkünfte in den Städten buchen wir wie immer im Voraus online und achten darauf, dass wir kurzfristig stornieren können um flexibel zu bleiben. Die Campingplätze reservieren wir ebenfalls von Zuhause aus online. Das geht sehr unkompliziert über die offiziellen Websites. Die staatlichen Campingplätze sind sehr großzügig angelegt und wir haben meistens etwa 50 Quadratmeter nur für uns, auf denen wir mit unserem Zelt und unserem Auto etwa zehn mal Platz finden würden. 

Für den Besuch der Nationalparks müssen kleinere Gebühren entrichtet werden. Wir bestellen uns den „Discovery Pass“ online und lassen uns diesen nach Hause schicken. Damit können wir für zwei Jahre alle Nationalparks (manche Provincial Parks haben eigene Gebüren) und  „Historic Sites“ besichtigen.