One day of hiking at Mount Cook National Park

English version below

Der Mount Cook Nationalpark ist einer der ersten Stopps auf unserer Reise durch Neuseeland. Hier verbringen wir zwar leider nur einen Tag, dieser ist dafür sehr intensiv (drei Wanderungen und ein Aussichtspunkt), wunderschön und lehrreich: Denn wir lernen zum ersten Mal die Unberechenbarkeit des neuseeländischen Wetters kennen und sehen unsere ersten Eisberge.

Früh am Morgen läutet der Wecker in unserem Hostelzimmer in Christchurch. In wenigen Minuten packen wir unsere Sachen und sitzen schon im Auto, wir wollen schließlich nicht zu viel Zeit vertrödeln und rechtzeitig bei unserem Ziel ankommen – dem Mount Cook Nationalpark. Dort befindet sich auch der mit 3724 Metern höchste Berg Neuseelands: Der Mount Cook oder auch Aoraki.

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Am Weg machen wir noch einen kurzen Halt am tiefblauen Lake Tekapo, bevor wir ein breites Tal entlang des Lake Pukaki in Richtung Nationalpark fahren. Der See mit der schon fast unwirklich scheinenden Wasserfarbe umringt von hohen Bergen stellt eine atemberaubende Kulisse dar.

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Einzig und allein das Wetter macht uns ein bisschen Sorgen, denn wir fahren geradewegs auf eine dichte Wolkendecke zu. Aber der Regen hat wie immer auch seine guten Seiten und so machen die zahlreichen Regenbögen  und Wasserfälle entlang der Straße schon die Fahrt in den Nationalpark zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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Trotz des Regens machen wir uns am Parkplatz angekommen auf zum ersten Trail. Der Hooker Valley Track endet nach etwa eineinhalb Stunden Wanderung durch ein schönes Tal und über mehrere Hängebrücken an einer Gletscherzunge. Auf den ersten Metern tröpfelt es nur leicht und wir können die schöne Landschaft trotz suboptimaler Lichtverhältnisse genießen. Doch der Regen nimmt immer mehr zu und auch der Wind wird immer kräftiger. Je weiter wir gehen und desto mehr wir uns dem Mount Cook nähern, desto rauer wird das Wetter. Es wirkt fast so als hätte der Berg heute keine Lust auf Besucher.

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Auf den Hängebrücken, die wir passieren müssen,  werden wir auf eine Mutprobe gestellt: Diese schaukeln im Sturm mehrere Meter hin und her und der Regen macht den Boden zu einer rutschigen Eisbahn. Ohne sich ständig festzuhalten und immer wieder stehen zu bleiben, würde man mit großer Wahrscheinlichkeit einfach von der Brücke geweht werden. Doch wir meistern alle Überquerungen unbeschadet, kommen nach einer mühevollen Wanderung am Aussichtspunkt an und hoffen für die Strapazen entlohnt zu werden. Eine recht ernüchternde Erfahrung folgt, denn wir starren lediglich in eine graue Nebelwand, hinter der sich das Gebirge und mit viel Fantasie auch ein Gletscher erahnen lässt.

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Mittlerweile bis auf die Unterwäsche durchnässt und durchfroren treten wir den Rückweg durch das Tal an, wo wir entlang eines Holzstegs durch eine Art Moorlandschaft stapfen. Dabei wird Jonathan von einer plötzlichen Windböe überrascht und vom Steg geweht. Irene schafft es noch rechtzeitig sich hinzuhocken und abzuwarten bis die Böe nachlässt: Glück gehabt, denn sie trägt die Kamera. Doch Jonathans Fall ist nicht tief und er kann ohne Probleme wieder auf den Steg klettern und die Wanderung fortsetzen. Ganz klug war es nicht diese Wanderung zu starten, aber wir sind nicht die Einzigen, sogar Eltern mit kleinen Kindern sind unterwegs. Am Rückweg warnen wir Einige, dass sie sich gut überlegen sollten weiter zu gehen. Das ist unsere erste Erfahrung mit schlechtem Wetter in den Bergen und wir sind froh bisher kein wirkliches Gewitter beim Wandern erlebt zu haben. Wie gesagt: Bisher. Denn ein paar Tage später werden wir bei einer Wanderung auf der Otago Halbinsel tatsächlich von einem Unwetter überrascht. (Die Geschichte dazu kommt noch.)

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Völlig erfroren kommen wir wieder am Parkplatz an, zwängen uns triefend in unser kleines Auto und ziehen uns trockene Kleidung an. Das ist das Positive am Campen: Man hat immer alles mit dabei. Die nasse Kleidung legen wir auf die Kofferraumabdeckung und das Amaturenbrett und hoffen, dass sie durch die Autoheizung wieder halbwegs trocken wird. Anschließend überlegen wir was wir als nächstes tun sollen. Eigentlich wollten wir noch die Wanderung zum Aussichtspunkt des Mount Cook machen, die macht bei diesem Wetter aber einfach keinen Sinn. Jonathan geht zu einer Übersichtstafel am Parkplatz, wo ihm ein einheimischer Urlauber erzählt, dass im nächsten Tal und nur fünf Fahrminuten von hier die Sonne scheint. Durch die Lage des Mount Cook herrscht im Hooker Valley anscheinend oft ein ganz anderes Wetter. Wir sind zwar skeptisch, befolgen aber den Rat des Neuseeländers und er soll Recht behalten: Im nächsten Tal erwartet uns Windstille, strahlender Sonnenschein und ganz andere Temperaturen, es ist plötzlich 15 Grad wärmer und das nach nur einigen hundert Metern!

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Wir steigen am Parkplatz angekommen einige Stufen auf einen kleinen Hügel, von dem aus wir einen atemberaubenden Blick auf den Tasman Glacier und dessen eisblauen See werfen können, auf dem auch einige Eisberge treiben. Genau das haben wir in diesem Moment gebraucht: Einen Erfolgsmoment! Also genießen wir den Moment und wärmen uns an den Sonnenstrahlen auf.

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Nachdem wir wieder etwas Energie getankt haben, unternehmen wir noch eine nette Wanderung entlang der Blue Pools, einer Gruppe kleiner Seen deren Name aus einer Zeit kommt als diese noch tatsächlich blau waren. Da der Gletscher, der den Seen früher ihre blaue Farbe gegeben hat, aber seit einigen Jahren für immer verschwunden ist, sind die Seen jetzt grün, da sie nun durch Regenwasser gespeist werden. Schön anzusehen sind sie aber trotzdem noch. Im Gegensatz zur anderen Wanderung sind hier kaum Menschen und wir können die Seen ganz ungestört genießen.

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Da wir gerade so gut gelaunt sind, beschließen wir auch noch eine Wanderung zum Ufer des Tasman Glacier Lake zu machen. Dorthin machen sich eigentlich nur Personen auf, die mit einem Zodiac Boot zu den Eisbergen fahren und somit sind wir auch auf diesem Abschnitt fast komplett alleine unterwegs. Die Sonne ist plötzlich unerbittlich stark und unsere Probleme sind nicht mehr Wind und Sturm, sondern Hitze und Sonnenbrand. Am Ende angekommen fragen wir uns ernsthaft warum nur so wenige Touristen auf diesem Abschnitt gehen. Zusammen mit dem höchstwahrscheinlich furchtbar kalten eisfarbenen Wasser des Tasman Glacier Lake, den grün bewachsenen Bergen im Hintergrund, den riesigen Eisbergen und den rauen Felsen, auf denen wir mittlerweile klettern, ist es das absolute Highlight des heutigen Tages. Und das Beste ist, dass wir diesen Ort ganz für uns alleine haben. Wir verbringen hier bestimmt eine Stunde bevor wir uns wieder auf den Rückweg zum Auto machen.

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Zurück am Parkplatz öffnen wir die Autotüren um die Luftfeuchtigkeit aus dem Auto zu lassen (die nasse Kleidung ist innerhalb der letzten Stunden durch die Sonne fast komplett getrocknet) und essen die Reste vom gestrigen Abendessen- Gemüse mit Kartoffeln – auf dem Gehsteig des Parkplatzes sitzend. Wir sind einfach nur glücklich.

Nach diesem netten Ausklang des Wandertages schlagen wir unser Zelt wenige Kilometer außerhalb des Nationalparks in Glentanner auf, dabei verlieren wir durch den Wind beinahe die Hülle des Zeltes. In der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes kochen wir uns unser wohl verdientes Abendessen und es stehen sogar noch zwei Cider in der „Zur – freien – Entnahme – Box“ – Juhu! Während dem Abendessen rollt schon wieder der nächste heftige Sturm herein und wir hoffen, dass unser Zelt die Nacht unbeschadet übersteht. Es regnet die gesamte Nacht durch, allerdings sind wir nach sieben Stunden wandern absolut erledigt und bekommen nichts davon mit.

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Aussicht von unserem Zelt

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Wir haben schon am dritten Tag unserer Neuseelandreise eine wichtige Lektion gelernt: Wer Neuseelands Natur erleben will, muss flexibel sein und darf sich nicht so leicht von etwas Schlechtwetter unterkriegen lassen! Denn wenn in Neuseeland ein Unwetter tobt, scheint um die Ecke vielleicht schon wieder die Sonne.

Organisatorisches & Tipps:

  • Alle Wanderungen und Karten findet man in den Brochuren des Department of Conservation, die man sich auf der offiziellen Homepage kostenlos als Pdf herunter laden kann und dadurch immer offline am Handy bei sich hat.
    Hier der Link: Mount Cook / Aoraki Wanderungen
  • Hotelempfehlungen sind normalerweise nicht unser Ding, aber bei diesem Campingplatz hat alles gepasst: Schöne Wiese mit freier Platzwahl, gut ausgestattete Gemeinschaftsküche, perfekte Lage nur wenige Kilometer außerhalb des Nationalparks und dadurch deutlich günstiger als die Plätze im Nationalpark.
    Link zum Glentanner Campingplatz
Mount Cook Map Labels
unsere Trails von diesem Tag

Mount Cook National park is one of the first stops of our New Zealand camping road trip. Unfortunately we only spend one day here, but this day is very intense (three walks and a viewpoint), beautiful and instructive, as we learn an important lesson about New Zealand’s unpredictable weather and see our first icebergs.

Our alarm is ringing early in the morning at our hostel in Christchurch. We pack our stuff in a view minutes and immediately hit the road. We don’t want to waste any time, as we plan to visit the Mount Cook National park today. This is the place were the highest mountain of New Zealand with an altitude of 3724 meters is located: the Mount Cook or Aoraki.

On our way to the National park we make a short break at Lake Tekapo with its deep-blue water, before we follow the shore of Lake Pukaki which lies in a wide valley leading to Mount Cook. Once again the color of the lake seems unreal and surrounded by the mountains this valley offers spectacular views. Our only concern is the weather, because we are driving right into an area covered with rain clouds. But the rain also has its advantages and so we can enjoy some rainbows and waterfalls on our way, making the drive into the National park itself an unforgettable memory.

Despite the rain we decide to start with the first trail. The Hooker Valley Track leads through a beautiful valley over three suspension bridge and ends after one and a half hours of hiking at a glacier lake. During the first meters we only feel a couple of raindrops and can enjoy the beautiful landscape. But as we continue walking the rain is getting worse and also the wind becomes stronger. The further we go, the worse it gets, just as if Aoraki doesn’t want to have visitors today.

Crossing the suspension bridges challenges our bravery as the bridges are swinging badly and the rain is making the floor slippery. Without holding the rail for the entire time and several stops along the way, we might get blown away by the storm, but we manage to cross all the bridges safely. After an exhausting hike under tough conditions we arrive at the viewpoint and feel like we deserve a rewarding view. But all we can see is fog. With some fantasy we can guess were the glacier might be, but that’s all.

By now our clothes are soaked up with rain and we start our journey back to the parking lot. As we walk along a boardwalk through a marsh, Jonathan gets surprised by a blast of the storm and gets blown off the boardwalk, while Irene manages to kneel down and stay on the track. Fortunately Irene has the camera with her and the drop isn’t deep, so Jonathan continues walking without any problems.

Right now we realize it wasn’t the best idea to do the trail, but we are not the only ones fighting through the storm, we even see parents carrying their kids on their backs. On our way back we warn some people to think twice if they want to continue the hike. It is our first experience with bad weather in alpine territory and we realize that we underestimated how quickly conditions can change. Luckily until then we have never made any experience with seriously bad weather, which was going to change a couple of days later at Otago peninsula, but that’s another story.

As we arrive at the parking lot, freezing and wet all over, we jump into the car and change our clothes. That’s the great thing about camping: you always got all the stuff you need with you. We put our wet clothes on the dashboard and hope that the heating of the car will get them dry. Our first plan for today was to hike up to a viewpoint of Mount Cook, which obviously doesn’t make any sense because of the fog. So Jonathan is checking at a map nearby what to do next, when a friendly local suggests visiting the next valley. He explains that it is said Mount Cook makes his own weather in Hooker Valley and in it should be sunny there. As the valley is only five minutes away by car we stay skeptical. Lacking other options we decide to give it a shot and the local is right: One valley further the sun is shining, the storm has disappeared, it´s much warmer and all this only a few hundred meters away!

After arriving at the Tasman glacier parking lot we climb some stairs to a small hill, where an astonishing view of the Tasman glacier and its glacier lake with some floating icebergs is waiting for us. That’s exactly what we need at this moment! So we enjoy the amazing nature and warm ourselves in the sun.

After recharging our energy, we do another nice little walk along the Blue Pools. They were named Blue Pools in a time when they were drained by a glacier, that doesn’t exist anymore. Today they are rather green, because they only contain rainwater. However, they are still nice to look at. On this trail we hardly find other people and enjoy the pools all by ourselves.

Since we are in such a good mood right now, we decide to walk to the shore of Tasman Glacier Lake. Most people who go there take a zodiac to discover the icebergs by boat, so again we are alone most of the time. Suddenly the sun becomes very strong and we are more worried about the heat and getting a sunburn than about storm and rain. Arriving at the shore we wonder why nobody else is doing this hike. The ice blue water of the lake together with floating icebergs and mountains in the back make a great picture. We love this place even more because we have it all for ourselves, staying here for about an hour before going back to the car park.

Back in our car, we open the doors to let the moisture out (our clothes got almost completely dry) and eat the leftovers of yesterday’s dinner – veggies and potatoes – sitting at some rocks next to the parking lot and being happy.

After this nice final of our hiking day, we pitch our tent a few kilometers outside of the National park in Glentanner, where we almost lose the cover of our tent because of the wind. In the shared kitchen we prepare our well deserved dinner and even get two ciders from the “free to take box“ – Yippee! After we finish eating the next storm is already coming up. It is raining the entire night but we don’t even notice and sleep like babies after our exhausting day.

At our third day in New Zealand we already learned an important lesson: if you want to enjoy New Zealand’s nature you have to be spontaneous and mustn’t fear getting wet once in a while. If there is a storm in New Zealand, the sun might shine just around the corner.

Organization & Tips:

  • All walks and maps can be found in the brochures of the Department of Conservation, which are free to download at the official website as Pdf data, so you can always have them with you on your phone, even offline.
    Here’s the link: Mount Cook / Aoraki walking tracks
  • Normally we don’t recommend any accomodations, but in this case everything about our stay was good, so why shouldn’t we share it? We had a nice campground where you can pick your own spot to pitch your tent, a nicely equipped shared kitchen and a great location only a view kilometers out of the National park, making this place much cheaper than the places inside the National park.
    Here’s the link to Glentanner campground