Reisetagebuch: Berchtesgaden

Um das Jahr 2017 gebührend ausklingen zu lassen, beschließen wir über Silvester ein paar Tage in der Region Berchtesgaden zu verbringen. Wir wandern an Seen, Flüssen und Wäldern entlang, fahren mit der Gondel auf den Hirscheck, unternehmen eine rasante Schlittenfahrt, machen eine abenteuerliche und etwas gefährliche Wanderung zur Ostwand des Watzmanns, genießen wundervolle Ausblicke über die schneebedeckte Landschaft und schlagen uns die Bäuche mit regionalen, traditionellen Schmankerln auf einer Berghütte und im bayrischen Gasthaus voll. Was für ein perfekter Start ins Jahr 2018!

  • 31.12.2017, Aussichtspunkt am Lockstein, Hintersee, Rodeln am Hirscheck, Maria Gern, Silvesterfeuerwerk über Berchtesgaden

Der Wecker klingelt um 04:30 in Wien. Wir machen uns schnell fertig, bringen unsere paar Sachen ins Auto und fahren los. Ziel ist die Region Berchtesgaden in Deutschland, dort möchten wir ein paar Tage in der winterlichen Natur verbringen und wandern. Pünktlich zum Sonnenaufgang um 08:30 kommen wir in der Stadt Berchtesgaden an und fahren gleich zum Aussichtspunkt der Kapelle am Lockstein, von welcher man einen herrlichen Blick über die Stadt und den dahinter liegenden Watzmann, den Hausberg des Nationalparks, hat.

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Anschließend fahren wir zum Hintersee bei Antenbichl und verbringen 1,5 Stunden mit einer kleinen Wanderung um den See. Dabei gefällt uns besonders gut der zugefrorene Teil mit den hellblauen, dünnen Eisschollen.

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Kleiner Tipp: Wenn man bereits früh kommt, schafft man es wie wir vielleicht den kostenpflichtigen Parkplatz zu umgehen (4€ für 2 Stunden!) und kann sich einen der wenigen Gratis-Parkplätze an der Straße schnappen.

Während der Runde um den See verziehen sich auch die letzten Morgenwolken und wir können es kaum erwarten zum nächsten Stopp zu fahren: Der Hirscheckbahn. Dort angekommen mieten wir uns eine Rodel, fahren mit dem Sessellift auf den Berg, genießen umgeben von einem herrlichen Bergpanorama bayrische Hausmannskost bei Kaiserwetter und fahren anschließend mit dem Schlitten die Naturrodelbahn „Hirscheckblitz“ wieder hinunter. Wir können uns gar nicht genau erinnern, wann wir das letzte mal rodeln waren, aber zusammen auf jeden Fall noch nie und es macht einfach wahnsinnig viel Spaß. Wir können diese Rodelbahn wirklich empfehlen: man fährt etwa 2,5 rasante Kilometer auf Serpentinen durch den schneebedeckten Wald.

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Speckknödel mit Sauerkraut und Spätzle auf der Hirschkaseralm

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Nach diesem Vergnügen sind wir hochmotiviert uns noch weitere Orte in der Umgebung anzusehen und so führt uns die nächste Fahrt an den Königssee. Hier kommen wir leider um die 2 Euro Parkgebühr nicht herum. Da wir schon recht erledigt sind, beschließen wir nur noch die Hafenpromenade von Schönau entlang zu schlendern. Der Ort ist uns leider etwas zu touristisch und noch dazu ziemlich überlaufen und so gehen wir bald wieder zum Auto zurück und fahren nach Gern. Hier gibt es die kleine Kapelle Maria Gern und eine schöne Sicht auf die umliegenden Berge, anschließend fahren wir in unsere Unterkunft und checken ein.

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Um 23:00 Uhr machen wir uns noch einmal auf den Weg zum Lockstein um einen guten Blick auf das Silvesterfeuerwerk zu haben. Wir haben Glück, denn es ist eine klare Nacht und man kann durch den hellen Mond selbst um Mitternacht das gesamte Bergpanorama um Berchtesgaden sehen.

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Jedes Jahr findet am Lockstein das traditionelle Weihnachtsschießen der Berchtesgadener Schützen statt
  • 01.01.2018, Bootsfahrt über den Königssee und Wanderung zur Eiskapelle am Watzmann

Heute fahren wir mit dem ersten Boot um 09:45 Uhr von Schönau am Königssee zur Anlegestelle St. Bartholomä, unser Ziel ist die Eiskapelle an der Ostwand des Watzmanns. Die Stimmung während der Fahrt ist wahnsinnig schön. Die Stadt wirkt nach Silvester wie ausgestorben, der Frühnebel verzieht sich bereits und vor uns liegt der klare Königssee umringt von Schnee bedeckten Bergen. In St. Bartholomä angekommen wollen wir nicht viel Zeit verlieren und beginnen sofort unsere Wanderung.

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Die Wege sind derartig vereist, dass wir nur langsam voran kommen. Ständig rutschen wir ab, müssen uns gegenseitig schieben und ziehen oder suchen verzweifelt nach kleinen Steinen, die uns zumindest ein bisschen Halt geben könnten. Nach etwa einer Stunde mühevollem Bergauf kämpfen kommen wir zu dem Schild „Achtung, präparierter Weg endet hier. Weitergehen nur mit guter Ausrüstung und Trittsicherheit.“ Wir gehen weiter und jetzt fängt der Spaß erst richtig an. Wir befinden uns nun oberhalb der Baumgrenze und es liegt einfach wahnsinnig viel Schnee. Obwohl ein kleiner Trampelpfad frei gelegt ist, sind die riesigen herum liegenden Gesteinsbrocken ein Problem. Somit bildet der Schnee keine einheitliche Fläche, sondern es gibt immer wieder große Hohlräume. Wir passieren mehrere Stellen, an denen Wanderer vor uns auf so einen Hohlraum getreten sind und bis zu zwei Meter tiefe Löcher hinterlassen haben. Wir schaffen es zum Glück ohne gröbere Zwischenfälle weiter, nur Irene rutscht einmal aus.

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Das Tal, in dem wir uns befinden, ist eingehüllt in dichten Schnee, wir sind die einzigen Menschen weit und breit, genießen die unglaubliche Athmosphäre und die Einsamkeit. Langsam fragen wir uns aber wo die Eishöhle denn sein könnte, als wir ein zweites Schild sehen: „Achtung, Weitergehen nur mit Lawinenausrüstung. Vorsicht: Steinschläge! Betreten von Schneefeldern verboten: Lebensgefahr“

Wir gehen weiter. Nein, wir besitzen keine Lawinenausrüstung. Entschuldigung, Mama.

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Und nach zehn weiteren Minuten kommt leider die bittere Ernüchterung: Natürlich können wir den Eingang der Eishöhle nicht sehen, denn dieser ist zurzeit von einer Lawine verschüttet. Der kleine Trampelpfad, auf dem wir bisher gehen, endet und vor uns liegt lediglich ein riesiges Schneefeld. Per GPS versuchen wir mit unseren Handys herauszufinden wo sich die Eishöhle genau befindet und können den Punkt schließlich erahnen. Ganz kurz denkt sich jeder für sich ob wir versuchen sollten über die Schneedecke zu kommen aber nein: Wir sind zwar abenteuerlustig, aber sicher nicht lebensmüde. Wir hören unter dem Schnee einen Fluss und falls wir hier verschüttet werden, einbrechen oder uns verletzen würden, hätten wir ein echtes Problem. Alleine in den zehn Minuten, in denen wir traurig am Ende des Weges stehen und auf eine Eingebung warten, beobachten wir zwei kleinere Lawinenabgänge hoch oben am Berg, die einen unglaublichen Lärm machen. Auch Steinschläge sind immer wieder zu hören. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie laut eine richtig große Lawine wäre und fühlen uns plötzlich ganz klein vor dieser 2000 Meter hohen Felswand des Watzmann Massivs.

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Da der Aufstieg doch recht beschwerlich war, machen wir uns ziemlich enttäuscht wieder auf den Rückweg. Und der ist noch schlimmer als der Weg hier her. Eigentlich rutschen und stolpern wir mehr den Berg hinunter als zu wandern und kommen nach zwei Stunden mit nassen Füßen wieder in St. Bartholomä an. Völlig erledigt schauen wir uns noch ein bisschen den „Ort“ (7 Häuser) und die Kapelle an, kaufen uns beim einzig zugelassenen Fischer am Königssee einen geräuchterten Seibling und eine Brezn als Belohnung für die Anstrengung und steigen ins Boot zurück Richtung Schönau am Königssee.

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Kurz überlegen wir uns noch eine zweite Wanderung zu machen, sind aber einfach zu erledigt. Wir fahren lediglich noch zu einem Aussichtspunkt über Berchtesgaden und anschließend in die Unterkunft um unsere regionalen Schmankerl zu essen.

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  • 02.01.2018, Obersalzberg, Brandkopf, Carl von Linde Weg, Zauberwald

In der Früh treibt uns unsere Wanderlust auf den Obersalzberg, denn wir wollen den Brandkopf besteigen. Von hier aus soll man eine nette Sicht auf den Watzmann und den vorderen Teil des Königssees haben. Wir starten vom Parkplatz Hinterbrand und benötigen zirka 45 Minuten bis wir am Gipfel ankommen, den eisigen Wanderwegen sei mal wieder Dank. Zum Glück klaren die Wolken ausgerechnet in dem Moment, als wir den Gipfel erreichen, auf und wir haben eine schöne Sicht auf das beschneite Bergpanorama und den Königssee. Ein Nachteil am Wandern im Winter ist definitiv, dass man nicht lange an einem Punkt bleiben und genießen kann, da es einfach zu kalt ist und man schnell auskühlt. Also geht es wieder zurück zum Auto und zum Obersalzbergparkplatz. Hier möchten wir die Wanderung entlang des „Carl von Linde Wegs“ machen, doch bereits nach 15 Minuten kehren wir wieder um. Diesmal sind aber die Wolken Schuld, denn wir sehen lediglich eine weiße Nebelwand.

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So beschließen wir zum „Zauberwald“ in der Nähe von Andenbichl zu fahren, ein kleiner Waldabschnitt neben dem Hintersee. Sowohl der See als auch der Wald sind vor zirka 3500 Jahren durch einen massiven Felssturz entstanden. Hier erleben wir eine perfekte, kleine Winterwanderung. In dicken Flocken fällt der Schnee vom Himmel und wir wandern ganz alleine durch den dicht beschneiten Nadelwald an einem wunderschönen Fluss mit glasklaren blauen Wasser und mehreren kleinen Wasserfällen entlang, einfach herrlich.

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Da wir mittlerweile wieder ziemlich durchgefroren sind, möchten wir keine neue Wanderung beginnen und fahren zur Unterkunft zurück. Davor reservieren wir uns aber noch im Traditionshaus „Bräustüberl“ einen Tisch, denn nach den Anstrengungen der letzten Tage wollen wir uns noch mit etwas bayrischer Hausmannskost verwöhnen lassen.

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Schweins´haxe, Brez´n, Obazda, Kartoffelsalat, Sauerkraut, Senf, Kren und ein frisch gezapftes Bier aus der eigenen Brauerei: Bayrische Hausmannskost schmeckt nach einem Wandertag besonders gut.
  • 03.01.2018, Wanderung am Königssee, Carl von Linde Weg

Am Tag unsererer Abreise meint es das Wetter wieder für ein paar Stunden gut mit uns. Wir fahren noch einmal an den Königsee und starten die kurze Wanderung zum Malerblick und zur Rabenwand, von wo aus man aufgrund der guten Sicht beinahe den ganzen Königssee überblicken kann. Außerdem überraschen wir eine wilde Gemse bei ihrem morgendlichen Spaziergang durch den Wald.

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Weil die Sicht heute so perfekt ist, starten wir am „Carl von Linde Weg“ einen zweiten Versuch und haben diesmal Glück. Wir gehen bis zum Gasthof „Hochlenzer“ und werden mit einem traumhaften Blick auf das Bergpanorama belohnt. Anschließend wandern wir wieder zurück zum Auto und machen uns auf den Weg nach Hause.

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