Reisetagebuch Israel Tag 5 – Jerusalem: Mahane Yehuda, Me´a She´arim, Mirgash Harussim

  • 06.05.2018 – Jerusalem: Mahane Yehuda, Me´a She´arim, Mirgash Harussim

Nach 4 tollen Tagen in Tel Aviv verabschieden wir uns fürs Erste von der Stadt und fahren nach Jerusalem. Es gibt noch ein allerletztes Mal das tolle Frühstück mit Brot, Hummus, Gemüse, Tahin, Marmelade und Müsli bevor wir mit unserem Gepäck die zwei Kilometer Fußweg zum Busbahnhof in Angriff nehmen. Dieser erinnert an eine etwas zu groß geratene und heruntergekommene Shoppingmall. Im zweiten Obergeschoss finden wir schließlich die Plattform, von welcher wir nach etwa 20 Minuten Wartezeit einen Bus nach Jerusalem bekommen. Gerade einmal vier Euro pro Person kostet die eine Stunde Fahrt, günstiger als erwartet. In Jerusalem angekommen müssen wir erst einmal wieder zwei Kilometer entlang großen, mehrspurigen Straßen und Großbaustellen bis zu unserem Hostel gehen. Auf den ersten Eindruck wirkt die Stadt anders als erwartet und eher wie eine moderne Großstadt. Im Gegensatz zu Tel Aviv fällt uns augenblicklich die deutlich höhere Anzahl orthodoxer Juden auf, die in ihrer typischen Tracht das Stadtbild prägen.

DSC_0224 (2)

Nachdem es noch zu früh zum Einchecken ist, verstauen wir nur unser Gepäck im Gepäcksraum des Hostels und machen uns auf den Weg zum berühmten Markt Mahane Yehuda. Auch hier haben wir uns ehrlich gesagt ein bisschen mehr stimmungsvolle Rustikalität und weniger Großstadtflair gewünscht – sind wir möglicherweise zu verwöhnt von Jaffa? Wir schlendern durch die schön ordentlichen Marktgänge und dürfen ab und zu sogar etwas vom Angebot kosten, zum Beispiel getrocknete Hibiskusblüten, Halva oder eine Nussmischung. Schön langsam gefällt es uns hier doch ganz gut, mit Kostproben kann man uns anscheinend gut ködern. An einem der vielen Essensstände probieren wir Fatut, das sind mit Ei gebratene Pitabrotwürfel, darüber gibt es reichlich geriebenen Käse und dazu eine Sauce aus passierten Tomaten – schmeckt besser als es am Foto vielleicht aussieht!

DSC_0258 (2)DSC_0260 (2)DSC_0297 (2)DSC_0269 (2)DSC_0315 (2)DSC_0301 (2)

Anschließend holen wir uns bei der Bäckerei „Marzipan“ – eine Empfehlung von unserem Guide der Free Walking Tour durch Jaffa – ein paar Mehlspeisen, darunter auch Rugelach, ein unfassbar süßes und köstliches Mini-Schokocroissant. Wir lassen uns alles einpacken, nehmen es mit ins Hostel und veranstalten dort unsere ganz persönliche Verkostung. Man muss schon sagen: Das mit den Süßspeisen können sie richtig gut in Israel!

DSC_0227 (2)DSC_0332 (2)

Wir checken in unser schönes, modernes Dorm ein und machen uns auch gleich wieder auf den Weg in die Stadt. Im Stadtviertel Me’a She’arim, das ausschließlich von stark konservativen Juden bewohnt wird, haben wir das Gefühl mit einer Zeitkapsel in die Vergangenheit gereist zu sein. 99% aller Männer tragen lange schwarze Mäntel, große Zylinderhüte, lange Haarlocken und Bart. 99% der Frauen tragen lange, schwarze Röcke und Hemden. Der restliche 1% sind wir beide, keine anderen Touristen in Sicht. Bereits im Reiseführer stand geschrieben, dass man möglichst versuchen sollte in diesem Stadtteil nicht negativ aufzufallen. Fotografieren, unpassende Kleidung, lautes Reden, Händchen halten und sogar das Reden mit dem anderen Geschlecht wird hier gar nicht gerne gesehen, in früheren Zeiten soll es sogar Angriffe auf Touristen gegeben haben. Es gibt sogar Gassen, die für Touristen zur Gänze gesperrt sind. Doch wir sind natürlich vorbereitet: Mit passender Kleidung und einen guten Meter entfernt voneinander machen wir uns auf den Weg. Und auch wenn wir sicherlich auffallen werden wir nicht merklich angestarrt, ganz im Gegenteil: Viele Männer starren auf den Boden oder schließen sogar die Augen und fangen an murmelnd zu beten, sobald sie Irene erblicken, kein Witz! Es wirkt fast so als wäre ihnen der Blickkontakt mit anderen Frauen untersagt. Die Häuser wirken sehr heruntergekommen und man hat ein bisschen das Gefühl in einem jüdischen Ghetto unterwegs zu sein.

DSC_0406 (2)DSC_0349 (2)

Nach dieser einmaligen und spannenden Erfahrung verlassen wir das Viertel und stoßen dabei auf etwas mindestens genau so skurriles: Wenige hundert Meter weiter befindet sich ein äthiopisches, katholisches Kloster. Hinter einem mit Löwen dekorierten Tor befindet sich in einem friedlichen Innenhof die kreisrunde Kirche, welche wie wir erfahren typisch für den äthiopischen Katholizismus ist. Der Boden der Kirche ist mit Teppichen ausgekleidet – Schuhe müssen daher draußen bleiben –, die Wände sind in den buntesten Farben gestrichen und ein Gang führt kreisförmig in mehreren Bögen um den Schrein in der Mitte. Obwohl wir schon in vielen verschiedenen Gotteshäusern aller Welt waren, wüssten wir nicht womit wir diese Kirche vergleichen sollten. Wir begegnen sogar zwei Gläubigen beim Gebet. Noch etwas unsicher nach der voran gegangen Begegnung mit den kamerascheuen Juden fragt Irene sicherheitshalber ob sie ein Foto machen könnte und ist überrascht, als sie von beiden ein freundliches Nicken erhält. Was für ein tolles und absolut unerwartetes Erlebnis in solch einer unglaublichen Atmosphäre.

DSC_0484 (2)DSC_0428 (2)DSC_0445 (2)DSC_0427 (2)DSC_0454 (2)DSC_0461 (2)DSC_0452 (2)DSC_0476 (2)

Wir verlassen die Kirche und gehen weiter in das russische Viertel Mirgash Harussim zur imposanten Dreifaltigkeitskirche, die allerdings bereits geschlossen ist. Also gehen wir weiter durch das Downtown Triangle – das moderne, kommerzielle Viertel von Jerusalem – in Richtung unseres Hostels. Dabei stoßen wir auf einen Imbissstand mit verlockend günstigem Falafel Pitabrot, dem wir eine Chance geben. Eine sehr gute Entscheidung, denn das Pitabrot wird vom Besitzer reichlich mit allerlei Gemüse befüllt und schmeckt absolut großartig! Wieder mal ein toller kulinarischer Ausklang, im Hostel angekommen sind wir absolut geschafft und verbringen den restlichen Abend ganz entspannt um erst einmal all unsere Eindrücke verarbeiten zu können. Jerusalem, du wirkst auf den ersten Blick schon mal sehr vielfältig …

DSC_0517 (2)DSC_0502 (2)