Reisetagebuch Israel Tag 8 – Muslimisches Viertel, über den Dächern von Jerusalem und unsere vergebliche Suche nach Jiddischem Essen

Mi. 09.05.2018 – Jerusalem: muslimisches Viertel, über den Dächern von Jerusalem und unsere vergebliche Suche nach Jiddischem Essen

An unserem letzten Tag in Jerusalem wollen wir noch einmal ins muslimische Viertel gehen um hier noch weiter die Souks zu erkunden. Wir betreten die Altstadt durch das mächtige Damaskustor und beginnen unseren Streifzug durch die engen Gassen. Zunächst gehen wir durch die Hauptstraßen mit schönen Geschäften und vielen Touristen, kommen schließlich aber in immer ruhigere Gassen und befinden uns gegen Ende in einer schon fast ganz normalen Wohngegend. Beim schlichten Herodstor probieren wir ein Lahmacun – eine armenische Pizza mit hauchdünnem Teig und köstlich gewürzten Tomatenbelag. Hier stehen wir also im muslimischen Viertel von Jerusalem innerhalb des jüdischen Staates Israel gegenüber eines indischen Hospizes mit einer armenischen Pizza in der Hand – Kulturverschmelzung vom Feinsten.

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Überall in der ganzen Stadt verkaufen die Frauen Weinblätter, welche gerade in Saison sind. Wie uns unser Freund George aus Palästina später erzählt, kaufen die Leute oft viele Kilos und frieren sie anschließend ein, damit sie das ganze Jahr etwas haben.

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Wie diese kleinen Bällchen heißen, wissen wir leider nicht. Man kann sie aber an fast jeder Ecke in Jerusalem kaufen.

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Ein kleiner Obst- und Gemüsestand unter dem Herodstor

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Im muslimischen Viertel sehen wir viele pro-palästinensische Zeichnungen an den Mauern.

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Lahmacun (armenische Pizza) zum Frühstück – so haben wir uns das Erwachsensein immer vorgestellt.

Nachdem wir das Viertel vollständig abgeklappert haben, stolpern wir mehr oder weniger über eine der Stationen des Kreuzweges von Jesus und beschließen alle Stationen der „Via Dolorosa“ abzugehen. Den gleichen Plan haben in diesem Moment anscheinend auch etliche Pilgergruppen aus aller Welt, die singend und betend auf dem Leidensweg ihres Erlösers wandeln. Für uns bedeutet das Geduld beweisen und sich langsam durch die Massen schieben lassen.

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In den meisten Stationen der „Via Dolorsa“ (Kreuzzug Jesu) werden Kerzen angezündet.

Anschließend gehen wir zum Jaffator und kaufen uns die Tickets für den Ramperts Walk, einen Rundgang über die Stadtmauern von Jerusalem. Zunächst nehmen wir uns den südlichen Teil vor und haben tolle Blicke auf den Zionsberg und die Hügel im Süden von Jerusalem, einschließlich der Grenzmauer zu Palästina. Noch wissen wir nicht ganz was uns jenseits dieser Grenzmauer alles erwartet, sind aber auf alle Fälle schon gespannt und unvoreingenommen.

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Der Duft von mit Kardamon aufgekochtem Kaffee wird uns wohl immer an Jerusalem erinnern.
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Der „Ramparts Walk“ – ein Spaziergang auf den alten Stadtmauern rund um Jerusalems Altstadt.

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An einer Stelle konnten wir in den Innenhof einer Schule blicken und haben einige Zeit beim Fußballspiel mitgefiebert.
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Blick auf den Ölberg

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Als wir wieder von der Mauer steigen, ist es Zeit fürs Mittagessen. Das wollen wir heute in einem typischen Lokal mit jiddischer Ashkenaziküche einnehmen. Von diesen Restaurants gibt es in Jerusalem anscheinend nur zwei Stück (was uns sehr wundert) und nachdem eines der Lokale im Kern des erzkonservativen jüdischen Viertel Me’a She’arim keine Frauen zulässt, bleibt uns nur noch das Lokal namens „Heimeshe Essen“ übrig. Nach längerem Fußmarsch dort angekommen müssen wir erfahren, dass das Lokal geschlossen und von einem Frozen Yoghurt Salon ersetzt wurde – na toll. Also vertrösten wir uns mit einem Shakshuka von einem kleineren Straßenstand und Snacks aus dem Supermarkt, die wir im GanHa Atsmaut Park essen.

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Shakshuka etwas anders – im Gegensatz zu Tel Aviv essen wir es diesmal mit dem Ei vermischt, wieder mal sehr lecker.

Nach unserer Pause geht es wieder zurück in die Altstadt um den nördlichen Teil der Stadtmauernumrundung abzuschließen. Von hier bieten sich, vor allem über dem Damaskustor, tolle Blicke auf das muslimische Viertel, den Felsendom und wir erhaschen den ein oder anderen Blick in versteckte Innenhöfe. Nach dem vielen Gehen unter der heißen Mittagssonne, die gnadenlos auf die schattenlose Stadtmauer hinunter brennt, sind wir am Ende der Umrundung auch am Ende unserer Kräfte – na das kann ja was werden mit Wanderungen in der Wüste! Wir ruhen uns eine Zeit lang auf einer Bank unter einem Olivenbaum aus bevor wir wieder über das muslimische Viertel außerhalb der Stadtmauern zurück in die Unterkunft schlurfen.

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Wer das Videospiel „Assassin´s Creed“ kennt, weiß, wie wir uns in diesem Moment fühlen – an einer Stelle des „Ramparts Walk“ kann man über die Märkte des muslimischen Viertels bis hin zum Felsendom sehen.

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Der Felsendom dieses Mal aus einer anderen Perspektive und dem österreichischen Hospiz mit Flagge im Vordergrund

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Unser Fazit zu Jerusalem: Mit einem Wort: Wow, diese Stadt ist einfach ein melting pot an Kultur und man weiß gar nicht wie man all diese Eindrücke verarbeiten soll. Zum einen leben Menschen mit unterschiedlichsten Konfessionen an einem Fleck, dazu kommt der geschichtliche Hintergrund, die Streitigkeiten um religiöse Begebenheiten und die Grenze zu Palästina. Uns persönlich hat Jerusalem einfach unglaublich gut gefallen und unsicher haben wir uns keinen Moment lang gefühlt.


English summary: On our last day in Jerusalem we visit the Muslim Quarter again to explore more of the Souks and eat some Lahmacun (Armenian pizza) for breakfast – that’s how we always imagined adulthood.  Almost accidently we reach the start of the “Via Dolorosa” and decide to follow the way of the cross. Apparently we are not the only ones with this idea and are accompanied by big croups of pilgrims singing and praying along the way.

After that, we go to Jaffa gate, start the southern part of the Ramparts Walk along the city walls and enjoy beautiful views of the surrounding hills. As we descend from the wall it’s time for lunch, so we decide to find some jiddish ashkenazi food. There are only two such restaurants in Jerusalem, one of them is prohibited for women and as we reach to other one, we have to realize it has turned into a frozen yoghurt shop – what a shame. So we get some Shakshuka instead and head back to the city walls in order to finish the northern part of the Ramparts Walk.

Our conclusion after being here for 4 days: Jerusalem is simply overwhelming and there are just too many impressions to handle. It’s a melting pot of cultures where people of many different confessions live on the same spot, which is full of ancient and recent history. We really loved it here and felt very safe in every single moment.