Warum wir unsere Islandreise früher als geplant beenden

English version below

Eigentlich sollten wir uns jetzt gerade bei den Vorbereitungen zu unserer sechstägigen Wanderung von Landmannalaugar nach Skogar befinden, doch wir sitzen stattdessen in einem Flugzeug nach Wien – warum wir unsere Pläne über den Haufen geworfen haben?


3,5 Wochen waren wir nun in Island und haben dabei so unglaublich viel erlebt! Begonnen hat unsere Reise wie bei vielen anderen auch in Reykjavik, anschließend haben wir mit unserem Mietauto die komplette Insel umrundet und dabei nicht nur die am meisten befahrene „Ringstraße“ benutzt, sondern auch wesentlich abgeschiedenere Schotterwege und einsame Gebiete erkundet.

Im Anschluss an diesen Roadtrip hatten wir vor eine sechstägige Wanderung zu machen, die nebenbei gesagt auch die beliebteste des Landes ist. Man kann entlang dieser Wanderung entweder in Hütten übernachten (die ca 80€ pro Nacht teuren Betten müssen allerdings weit im Voraus gebucht werden) oder neben den Hütten zelten (ca 30€ pro Nacht), Wildcampen ist im Nationalpark natürlich strengstens verboten. Bis vor ein paar Wochen hatten wir geglaubt, dass Camper ebenfalls die allgemeinen Einrichtungen (also Küchen und Gemeinschaftsräume) mitverwenden können, die auch den Hüttenmietern zur Verfügung stehen und haben uns daher für die günstigere Campingvariante entschieden. Aber die Bestimmungen wurden dieses Jahr geändert und es wurde berichtet, dass lediglich bei zwei Hütten entlang des Trails Kochzelte für die Camper zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich haben wir in den Westfjorden eine Familie kennen gelernt, welche die Wanderung letzte Woche (mit Übernachtung in den Hütten) beschritten hatte und uns erzählt hat, dass sie derartige Zelte nicht sehen konnten. Anscheinend ist es Campern tatsächlich ganz und gar untersagt die allgemeine Küche zu verwenden, sodass sogar Reisende aus den Hütten heißes Wasser an die Camper verteilt haben (ein ziemlich absurder Gedanke). Kurz gesagt: Man muss sich als Camper permanent und ausschließlich im Freien aufhalten. In Anbetracht unserer Erfahrungen von der Wanderung im Kerlingarfjöll (ein anderes Wandergebiet im Hochland), bei der wir in ein Unwetter geraten sind und eine bitterkalte Nacht im Zelt verbringen mussten, war uns bei dem Gedanken an sechs Tage ohne einen einzigen Aufenthalt im Inneren einer Behausung ganz schön unwohl zumute, wir wollten unseren Plan aber trotzdem nicht aufgeben.

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Doch am vorletzten Tag unseres Roadtrips war es dann so weit: Es regnete in Strömen, wir saßen in unserem Auto und hatten einfach nur Angst vor der Wanderung. Angst, dass wir sechs Tage ausschließlich im Regen sitzen würden, dabei wahnsinnig viel Geld ausgeben (zu den Übernachtungen kommen nämlich auch noch die hohen Buspreise ins Hochland hinzu) und aufgrund des Nebels trotzdem absolut nichts sehen würden außer eine weiße Wand. Ein Blick auf die Wettervorhersage für die nächsten Tage bestätigte leider unsere schlimmsten Befürchtungen: Es war für die nächsten Tage in jener Region einfach nur Dauerregen vorhergesagt. Nach einem weiteren Blick ins Internet, diesmal aber auf eine Flugbuchungswebsite, mussten wir nicht lange überlegen: Ein spontaner, früherer Rückflug kostete uns weit weniger als für weitere 10 Tage in Island zu bleiben, sogar wenn wir die Zeit am billigsten Campingplatz in Reykjavik abgesessen hätten. Also haben wir es getan und einfach einen Flug nach Hause gebucht.

Wenn es eine Sache gibt, die wir uns für dieses Jahr versprochen haben, ist es das zu tun, was uns glücklich macht. Wir möchten keinen Konventionen oder Erwartungen gerecht werden und auf keinen Fall das tun, was möglicherweise cooler, abgebrühter oder abenteuerlicher ist. Wir lieben das Wandern sehr, jedoch möchten wir es auch genießen können. Wir wollen die Freiheit haben dort hin zu gehen, wohin wir gerade möchten, und das ist in diesem Fall eben Zuhause. Eine zusätzliche Überlegung war, dass wir ohnehin noch ein bisschen mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen und uns auf die spannende zweite Hälfte des Jahres vorbereiten möchten, denn bereits in Kürze steht unsere nächste Reise bevor, mehr dazu bald!

Wenn man längere Reisen auf eigene Faust unternimmt, stößt man oftmals auf Widrigkeiten. Das ist in Ordnung, so ist das Leben nun einmal. Doch unserer Meinung nach macht es immer einen Unterschied, wie man mit jenen Widrigkeiten umgeht. Steckt man den Kopf in den Sand, ist schlecht gelaunt und sieht man nur das Negative? Oder versucht man das Beste aus der Situation zu machen, ist dankbar für die positiven Momente und geht zuversichtlich seines weiteren Weges? Wir haben uns definitiv für die zweite Variante entschieden und sind keineswegs traurig über diese Entwicklung. Wenn wir diese Weltreise nach den ersten Problemen hätten abbrechen wollen, hätten wir uns bereits im Jänner nach Irenes Hundebiss wieder in Wien befunden. Oder sogar noch eher: Wir hätten mit der Planung dieses verrückten Projekts gar nicht erst begonnen. Was lernen wir daraus? Dass uns noch unser ganzes weiteres Leben hie und da Steine in den Weg gelegt werden, doch wir bleiben sicher nicht stehen und kehren um. Wir gehen einfach rundherum, oder klettern über sie hinweg – je nachdem in welcher Laune wir gerade sind.

Mit diesen Worten verabschieden wir uns von Island und sagen zum dritten Mal in diesem Jahr: Wien, sei bereit! Denn wir kommen heim ♥

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English version

Actually we should be preparing for our 6 days hike from Landmannalaugar to Skogar right now, but instead we are sitting in a plane back to Vienna – why we changed our plans!

We have been in Iceland for 3,5 weeks now and saw so many beautiful things! Our journey started in Reykjavik, where we rented a car and drove the famous „ring road“ all around Iceland, but we also left the beaten path, traveled along endless gravel roads and discovered the more remote corners of the island.

After our road trip, we planned to do a 6 days hike through the highlands, which is one of the most popular ones in Iceland. Along this trail you can either stay in huts (the beds are about 80€ per night and have to be booked way in advance) or camp next to the huts (about 30€ per night), wild camping in the national park is of course strictly forbidden. Until a few weeks ago, we thought that campers would be allowed to use the hut facilities (kitchen, shared rooms etc.), so we decided for the cheaper camping option. But apparently these conditions have been changed and it is not allowed to use these services anymore. A family we met in the Westfjords, who did the hike recently (staying in huts), confirmed that and reported that people staying in the huts even had to supply campers with hot water from the kitchen. After our experiences we made in Kerlingarfjöll, where we did a hike and got surprised by heavy rain, fog and storm followed by a freezing night in our tent, the thought of being forced to stay outside any housing for 6 entire days terrified us. But we still refused to change our plans!

But on the second last day of our road trip it happened: it was raining cats and dogs, we sat in our car and were simply scared thinking about the hike. We feared being 6 days in the rain, spending a lot of money for accommodation and transportation (the prices for highland buses are insane) and still won’t see anything but fog. Checking the weather forecast unfortunately confirmed our concerns: for the next ten days it showed nothing but rain, rain and even more rain in the entire area of our hike. It took us only one more look in the internet to make a decision: we found a flight back home that was cheaper than staying in Iceland, even if we would have spent our last ten days sitting around at the cheapest campsite in Reykjavik. So we just booked the flight!

If there is one thing we promised to ourselves this year, it is to do what makes us happy. We don’t want to spend our lives fulfilling expectations or doing things just to seem more though or adventurous to others. We love to hike, but still wanna enjoy it. We love having the freedom to go wherever we want and right now this place is HOME. Also, we want to spend more time with family and friends and prepare for the exciting second half of this year, because our next big trip is starting soon. If you travel on your own for a longer period of time, there will always be problems, it’s just about how you handle these problems. Do you surrender or be mad and focus on the negative aspects? Or do you try to make the best out of every situation, be thankful for the good moments and go ahead? We chose the second option and aren’t sad about what happened. If we had stopped traveling after the first problems of this world trip, we would have returned home in January after Irene got bitten by a dog in Mexico. Or we would not even had started to plan this crazy project. So what do we learn from this? Sometimes there will be hurdles along our way, but we won’t stop and turn around. We will jump over them, or just walk around – depending on how we feel.

With this words we are saying goodbye to Iceland! Vienna, be prepared! We are coming home ♥