Meilenstein – Lesotho ist das 50. Land, das wir gemeinsam bereisen!

English version below

Es ist schon irgendwie eigenartig, dass wir Glück oft dort finden, wo wir es am wenigsten erwarten. Dass Island trotz überwältigender Natur einfach nicht unser Fall war, haben wir ja schon einige Male erwähnt. Dass wir nun aber ausgerechnet in Lesotho wohl einen der entspanntesten und schönsten Tage dieses Jahres verbringen, hätten wir nicht gedacht. Und während uns aus den großen, alten Fenstern des Wintergartens, in dem wir gerade sitzen, die Sonne ins Gesicht scheint, wir heißes Wasser mit frischer Zitrone aus dem Garten trinken, wir Insekten summen und Vögel singen hören und die zwei Hunde der Unterkunft zu unseren Füßen liegen, ist es wohl Zeit ein bisschen sentimental zu werden: Denn Lesotho ist das 50. Land, welches wir gemeinsam bereisen.


Um eines gleich vorweg zu nehmen: Unser Ziel ist keineswegs möglichst viele Länder zu bereisen. Wir würden es stets bevorzugen, einige wenige Länder zu sehen und dafür besser kennen zu lernen. Aber wer uns wirklich gut kennt, weiß das ohnehin. 🙂

50 Länder, wir können es gerade selbst kaum glauben. 7 Jahre ist es nun her, dass wir unsere erste Reise zusammen bestritten haben: Mit dem Zug ging es damals durch Italien. Nur mit 2 Rucksäcken, einem Lächeln auf den Lippen und lauter Flausen im Kopf war diese erste Reise wohl eine der verrücktesten, die wir je gemacht haben. Wir haben uns absolut null Gedanken über Zugabfahrtszeiten oder Sightseeing gemacht, sind einfach nur durch die Straßen geirrt, mussten Strafe zahlen, weil wir unser Interrailticket nicht richtig ausgefüllt hatten, haben einem Obdachlosen in Rom gegrillte Maiskolben abgekauft, haben gesehen wie eine Taube eine andere frisst, haben 2 Euro Tetrapackwein getrunken während wir uns im Apartment in Florenz eine Eisbärendoku angesehen haben, sind in Parks eingeschlafen und hatten am Ende der Reise nicht einmal Geld für Essen, weil wir damals noch ein zu kleines Limit auf unseren Bankomatkarten hatten. Diese Reise war absolut chaotisch, voller Abenteuer, lustiger Momente und wohl ein Meilenstein in unserem Leben. Kurz gesagt, es war diese unbeschwerte und sorglose Zeit, die man nur mit 21 haben kann.

50 Länder später. An unserer Reiseorganisation hat sich Einiges geändert, an unserer Einstellung jedoch nichts. Wir haben die letzten 3 Nächte im Auto irgendwo zwischen den Townships Südafrikas verbracht, essen aus Kostengründen nur Haferflocken oder Reis mit Obst oder Gemüse (außer wir probieren die lokale Küche), wurden vor 3 Tagen um 2 Uhr nachts von einem Südafrikaner aufgeweckt, der 20 Meter neben unserem Schlafplatz einen Autounfall hatte, haben einer Familie in Swasiland beim Wasserholen geholfen und dabei fast 100 Liter (Irene 15 auf dem Kopf, Jonathan 80 mit der Scheibtruhe) in ihr Dorf transportiert, haben mit Einheimischen auf einem Traktor für ein Foto posiert, wären beim Passieren einer Stromschnelle mit unserem Raftingboot fast gekentert und Jonathans Versuch sich von einer steilen Klippe über einem reißenden Fluss abzuseilen endete kopfüber baumelnd. Wie man sieht, sind unsere Reisen also noch genau so verrückt und abwechslungsreich wie vor 7 Jahren.

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Die Kinder in Swasiland haben es uns besonders angetan
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Giraffen im Hluhluwe Imfolozi Nationalpark
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Traditionelle Tanzaufführung in Swasiland
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Alter Elefantenbulle im Krüger Nationalpark
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Wandern durch die Drakensberge in Südafrika
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Löwe im Krüger Nationalpark

Nach 50 bereisten Ländern dämmert uns so langsam was wir beim Reisen brauchen und welche Länder uns wirklich gut tun. Wir wollen Natur und Kultur entdecken. Landschaften und Tierwelten haben bei uns einen besonderen Stellenwert, aber erst fremde Kulturen, traditionelle Küche oder Gerüche geben einem wirklich das Gefühl der Heimat fern zu sein. Ein wichtiger Faktor, den wir früher sehr unterschätzt haben, ist eine „greifbare“ Bevölkerung. Wir wollen mit den Einheimischen reden, herausfinden wie sie leben, was ihnen wichtig ist und dabei selbst als Personen und nicht als wandelnde Geldbeutel oder nerviger Tourist wahrgenommen werden. Gibt es einen Ort, der all diese Dinge verbindet, sind wir mehr als glücklich. Spannende Safarifahrten durch den afrikanischen Busch mit wahnsinnig vielen Tierbeobachtungen, Wandern durch die Drakensberge, endlose Sonnenuntergänge und offene Menschen – Afrika hat uns nach bereits zwei Wochen einmal wieder voll in seinen Bann gezogen.

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Besuch eines Tagesheimes für Waisenkinder in Swasiland
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Blick über den Blyde River Canyon in Südafrika
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Wir füttern einen kleine Straßenhund mit einer unserer Thunfischdosen und Reis, mit skeptischen Blicken der Dorfkinder inklusive. Aber keine Sorge, sie haben von uns Schokolade bekommen.
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Jonathan verschätzt sich beim Abseilen in Swasiland und hängt plötzlich kopfüber 12 Meter über einem reißenden Fluss – der Guide war sehr entspannt
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Ein paar Einheimische in Swasiland wollten unbedingt ein Foto mit uns haben
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Blick über den Golden Gate Highlands Nationalpark
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Irene trägt 15 Liter Wasser auf ihrem Kopf vom 500 Meter entfernten Brunnen ins Dorf
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Rafting in Swasiland war eine ganz neue Herausforderung, die wir nur ganz knapp ohne Kentern gemeister haben
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Besuch einer Familie und ihres Dorfes in Swasiland
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Besuch des Isimangaliso Wetland Nationalparks, von dessen Küste aus wir Buckelwale beobachten konnten

Hier in Roma, Lesotho gönnen wir uns gerade eine kleine Pause. Wir genießen es nach den letzten Nächten in Zelt und Auto eine eigene Küche und ein Bett zu haben, nutzen die Zeit um die Reise zu reflektieren, Tagebuch zu schreiben und einfach nur stundenlang zu plaudern. Irene macht jeden Tag Yoga, wir essen frische Mahlzeiten, sortieren unsere Fotos und spielen mit den Hunden der Unterkunft. Kurz gesagt: Wir sind verdammt glücklich! Mit diesen Worten schicken wir ganz viel Glück und Zufriedenheit an jeden, der diese Zeilen gerade liest. Denn wir verspüren gerade so viel davon, dass wir gerne bereit sind zu teilen.

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Waschtag in Lesotho – immer dabei die beiden Unterkunftshunde
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Blick über das Sterkfontein Dam Nature Reserve

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endloser Sonnenaufgang über dem Krüger Nationalpark in Südafrika
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endlose Weite im Golden Gate Highlands Nationalpark

English Version:

It’s strange to find happiness at places you would expect it at least. Spending one of the most relaxing and beautiful days of the entire year in Lesotho is something we definitely didn´t see coming. While we are sitting in a winter garden, feeling the sun shining through the big old windows, drinking hot water with fresh lemons from the garden, hear insects humming and birds singing with the two dogs of the lodge lying beneath our feet, it’s time to get a bit sentimental: Because Lesotho is the 50th country we travel together.

Just to make things clear right away: it’s never been our goal to travel as many countries as possible. We prefer spending more time in less countries and have more time to get to know them. But those of you who know us, know that anyway. 🙂

50 countries, we can’t believe it! 7 years have passed since our first trip together: By train we traveled through Italy. With two Backpacks, a smile on our lips and no plan in our minds, this journey was one of the craziest we have ever done. We had no clue about train schedules or the sights to see, just strolled through the streets, had to pay a fine because we didn’t fill out our interrail ticket correctly, we bought grilled corn from a homeless in Rome, we saw one pigeon eating another one, drank 2 € wine in a box while watching a documentary about polar bears in our apartment in Florence, fell asleep in parks and in the end didn’t even have enough money for food because the limit on our bank cards was too small. This trip was totally chaotic, full of adventure, funny moments and experiences we will never forget!

50 countries later. The way we organize our trips changed drastically, but our attitude stayed the same. For the last 3 nights we slept in our car between the townships of South Africa and only eat oats or rice with fruit and veggies to safe money – there are some exceptions when we try local food. 3 days ago a local woke us in the middle of the night by banging on our car, because he had an accident just 20 meters away from our sleeping spot, we helped a family in Swaziland to carry about 100 liters of water to their house (Irene carried 15 on her head, Jonathan about 80 in a hand wagon), we posed with locals for a picture on a tractor, almost flipped while passing some rapids in our raft and Jonathan´s attempt to abseil ended hanging upside down on top of a 12 meter high cliff. As you can see, our journeys are still as crazy and adventurous as they were 7 years ago.

After 50 countries traveled, we start getting an idea what we need while traveling and which countries are good for us. We want to explore nature and culture. Landscapes and wildlife have always been very important to us, but only foreign cultures, traditional food or unknown smells give you the feeling of being far away from home. Another important factor we underestimated for a long time is a local population that allows you to interact with. We want to talk to them, know how they live and what they think and still be seen as persons and not as walking wallets or annoying tourists. If there is a place that unites all of these aspects we are more than happy. Exciting game drives through the African bush, hiking through the Drakensberg mountains, endless sunsets and open minded people – Africa overwhelmed us again after only two weeks.

Here in Roma, Lesotho we give ourselves a little break. After many nights in the car and our tent we enjoy having a bed, our own kitchen, use our time for reflecting this journey, writing our diary, reading and chatting for hours. Irene is doing Yoga everyday, we eat fresh cooked meals, organize our photos and play with the dogs of the lodge. Long story short: We are damn happy! With these words we’re sending a lot of joy and happiness to everybody reading these lines. Because rihgt now we feel so much of it we are more than content to share.