Was uns Afrika über Social Media gelehrt hat

Viel zu viel Zeit ist seit unserem letzten Beitrag hier vergangen und das hat seine Gründe. Afrika war nicht nur ansich eine prägende Zeit, auch unsere Internetpräsenz hat sich seitdem deutlich geändert. Warum das so ist und wie wir in Zukunft unseren Blog handhaben möchten, wollen wir euch hier erzählen.

Fast drei Monate sind wir von Mitte August bis Anfang November durch Afrika gereist – neue Länder, neue Eindrücke, neue Erfahrungen und: kaum Internet! Wer in die eher abgelegenen Gebiete dieses wundervollen Kontinents reisen möchte, muss mit dieser Tatsache klar kommen und da wir die Einzigartigkeit des Campings ohnehin lieben, haben wir uns sogar schon sehr darauf gefreut! Doch obwohl diese Reise nicht unsere erste dieser Art war, hat sie im Bezug auf die Abwesenheit von Internet doch neue Maßstäbe gesetzt. Da wir uns im Ausland auch nie eine SIM Karte kaufen, lagen unsere Handys tatsächlich die meiste Zeit ausgeschaltet irgendwo am Boden unserer Rucksäcke. Irene hat unseren persönlichen Rekord gebrochen und drei Wochen lang durchgehend ihr Handy nicht einmal angefasst. Die gewonnene Zeit wurde mit Staunen über den unglaublichsten Sternenhimmel, dem Beobachten von wilden Tieren, stundenlangen Gesprächen am Lagerfeuer und dem ständigen Auf- und wieder Abbauen des Zeltes verbracht – kein schlechter Tausch wenn ihr uns fragt.

„Brauche ich das denn wirklich?“

Im Anschluss an diese unglaubliche Reise, die uns von Südafrika bis nach Uganda gebracht hat, und einem fünftägigen Zwischenstopp zum Umpacken in Wien, ging es für uns nach Marokko. Elf Tage lang durften wir gemeinsam mit ein paar anderen Gleichgesinnten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich 180 km durch die Sahara wandern. Dass diese Erfahrung ansich schon absolut einzigartig war und wohl zu den besten Aktivitäten zählt, die wir jemals machen durften, ist ohnehin klar. Doch hatten wir vor allem ausgiebig Zeit um über die letzten Monate nachzudenken und haben tatsächlich sehr viel über die Nutzung digitaler Medien gesprochen. So manch anderer kann sich das vielleicht nicht vorstellen, aber beim Wandern durch trockene Flussbette und Dünenfelder, Backen von Berberbrot, Pinkeln hinter stacheligen Akazien unter den Blicken einer misstrauischen Wüstenspringmaus, beim Beobachten von Sonnenuntergängen und dem Abfallen von Zehennägeln fängt man irgendwann an über den Verlust unnötiger Luxusgegenstände wie einem Handy nicht mehr nachzudenken. Wenn man am Gipfel der höchsten Düne steht und über die endlose trockene Weite blickt, die Füße schmerzen und der Schweiß sich unter dem Turban sammelt, man aber trotzdem vor Glück die Welt umarmen könnte, weil man genug Trinkwasser für den Tag im Rucksack hat und sich in der Früh an einem Brunnen gemeinsam mit den Kamelen waschen durfte, merkt man erst wie wenig man eigentlich für ein schönes Leben braucht.

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Wenn man nach so einer Erfahrung in das wuselige Treiben einer Großstadt zurückkehrt, können viele Reize dieser kontrastreichen Umgebung erst einmal zu intensiv erscheinen. Nach Marokko wurde daher erst einmal unsere Facebookseite deaktiviert, Instagram auf privat gestellt und unser Blog ging offline. Die Apps wurden vom Handy gelöscht, das Surfen im Internet auf ein Minimum beschränkt und durchgeatmet. Zu reflektieren und zu überlegen wie wir das Glück, das wir im Moment empfinden, auch zu Hause weiterhin bewahren können, war uns besonders wichtig, denn wir haben uns doch mehr verändert als wir bisher vielleicht angenommen haben. Möglicherweise kann sich der ein oder andere damit identifizieren, aber wir haben das Gefühl, dass wir in der Vergangenheit oft viel zu unbewusst mit Facebook und Co umgegangen sind. Langes Scrollen entlang von unnötigen Memes, halblustigen Videos oder Schreckensbildern aus aller Welt ist eigentlich eine Aktivität, die uns eher stresst als dass sie zur Information oder Belustigung beiträgt. Auf Instagram nerven uns vor allem Monotonie, fehlende Authentizität und Originalität.

Aus Gesprächen mit anderen Leuten haben wir erkannt, dass es nicht nur uns so geht. Viele leiden regelrecht am Vergleichsdruck, der zum Beispiel auf Instagram herrscht. Ein perfekt retouchierter Körper hier, ein übertrieben gestelltes Reisefoto da, dazu noch ein Matcha Latte in der Hand und die Markentasche um die Schulter und fertig ist die Internetillusion des perfekten Lebens. Wer übrigens keine Ahnung hat, wovon wir hier gerade schreiben: Freut euch darüber! Diesen Vergleichsdruck, den viele Menschen durch Social Media fühlen, spüren wir zum Glück nicht, doch können wir ihn nachvollziehen. Wenn man rund um die Uhr nur mit Perfektion konfrontiert wird, fällt es schwer die schmutzige Wäsche, die sich seit einer Woche im Badezimmer stapelt, und den stinkenden Bus am Weg zur Arbeit als krönenden Gipfel des Lebensglücks zu akzeptieren. Dass wir damit gut klar kommen hat vielleicht damit zu tun, dass wir uns generell weniger mit anderen vergleichen. Wir waren beide in Schulen mit eher wohlhabenderen Leuten als uns selbst und haben früh gelernt, dass es immer Menschen geben wird, die mehr besitzen als wir. Das macht sie nicht zwangsläufig zu schöneren, besseren oder interessanteren Persönlichkeiten. Finanzielle Möglichkeiten erzeugen immer gesellschaftlichen Druck und wir versuchen uns dem so gut es geht zu entziehen, denn Minimalismus ist unserer Meinung nach der Weg zum Glück. Wir lieben unsere kleine Wohnung, kochen am liebsten zu Hause und werden das Zelt wohl immer dem Fünf Sterne Hotel vorziehen. Außerdem versuchen wir stets das Leben zu führen, das wir uns erträumen, oder setzen zumindest alles daran dieses Ziel zu erreichen, falls dies gerade nicht möglich ist.

„Wie möchten wir in Zukunft mit Social Media umgehen?“

Zurück zum eigentlichen Thema. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum wir denn diesen Beitrag hier überhaupt schreiben, wenn wir doch gar nicht so viel online sein möchten? Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen haben wirklich viele Leute gefragt warum man denn in letzter Zeit keine neuen Fotos mehr sieht, was uns ehrlich gesagt rührt – wir freuen uns sehr, dass so viele unserer Freunde, Verwandten und Bekannten auch wirklich regelmäßig unsere Beiträge verfolgen. Zum anderen macht uns unser Blog, auch wenn er mehr Zeit kostet als man denken könnte, unglaublich viel Spaß. Unser Ziel war ja immer diese Seite hier als eine Art Tagebuch zu nutzen und das lieben wir nach wie vor, denn es kann oft wirklich gut tun sich Emotionen auf ganz altmodische Art von der Seele zu schreiben. Zusätzlich können wir hier alles ganz nach unseren Vorstellungen gestalten und haben die Möglichkeit auch etwas tiefgründiger zu werden, wenn uns danach ist.

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Wir möchten unseren neuen Umgang mit Social Media ganz klar beibehalten. In nächster Zeit wird es wohl keine langen Erzählungen oder viele Bilder auf Facebook und Instagram geben. Neue Blogbeiträge werden wir aber weiterhin ankündigen, da viele Leute uns mitteilen, dass sie gerne auf diese Art benachrichtigt werden. Im Gegenzug dazu wollen wir mehr Energie in den Blog stecken, denn das macht uns am meisten Spaß. Wer weiterhin etwas von uns sehen möchte, sollte hier also in Zukunft öfter mal vorbei schauen! Und unser Fazit? Das Leben ist eindeutig zu kurz um auch nur eine kostbare Minute zu viel am Handy oder Laptop zu verbringen oder mit anderen Dingen, die einen schlichtweg nicht erfüllen. Das wahre Leben findet im Hier und Jetzt statt, mit Menschen die man liebt und in Momenten, in denen die Hände vor Glück kribbeln. Einen Moment wirklich zu genießen und bewusst wahrzunehmen anstatt ihn festhalten zu müssen ist definitiv etwas, auf das zu viele Menschen zu oft vergessen. Man sammelt virtuelle Wünsche und Träume durch Fotos anstatt das Handy auf die Seite zu legen, aufzustehen und seine Träume zu leben.

Wer sich übrigens fragt wo wir gerade sind: In Deutschland bzw. Belgien! Ursprünglich hatten wir geplant den restlichen Dezember in Marokko zu sein, haben aber aus verschiedenen Gründen unseren Flug umgebucht und verbringen die letzten Wochen des Jahres zu Hause. Nur dieses Wochenende besuchen wir Jonathans Familie, was wir schon länger geplant hatten aber aufgrund anderer Pläne bisher leider so oft verschieben mussten. Wir genießen es Zeit mit der Familie zu verbringen, das aufregende Jahr 2018 zu reflektieren und bei einem kleinen Punsch am Weihnachtsmarkt zu entspannen. Schönes Wochenende wünschen wir euch allen, lasst es euch gut gehen!

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