Eine Liebeserklärung an den Oman

Der Titel dieses Beitrags lässt bereits erahnen wie sehr uns unsere letzte Reise gefallen hat: Wildcampen in verlassenen Wadis, wandern durch Oasen voller Dattelplantagen, Muezzingesänge und Weihrauchdüfte in der Luft, Kardamonkaffee und orientalisches Essen – haben wir schon die traumhaften Sonnenuntergänge und Gastfreundschaft erwähnt? Kurz gesagt ist der Oman ein Traum aus 1001 Nacht, aber es gibt noch viele andere Gründe dieses Land zu lieben und deshalb möchten wir mit ein paar Vorurteilen aufräumen.

Der häufigste Satz, den wir vor unserer Abreise wieder einmal hören müssen, ist: „Seid ihr denn verrückt während all jener terroristischen Anschläge auf der ganzen Welt jetzt ausgerechnet in den Nahen Osten zu reisen?“. Auf diese Frage besitzen wir nie ein wirklich schlagfertiges Argument, denn wäre es aus demselben Grund nicht auch gefährlich in einer europäischen Hauptstadt heutzutage seine Haustür zu öffnen? Eben! Als definitive Befürworter der Kategorie „gefährlich ist es überall auf der Welt“ fällen wir daher keine Entscheidungen aufgrund von fragwürdigen Vorurteilen. Ob uns in der Karibik fast eine Kokosnuss auf den Kopf fällt, wir in Neuseeland beinahe seitlich von einem Pick-up gerammt werden, nur knapp einem Bootsunfall in Panama entgehen oder in Uganda mit einer Waffe bedroht werden – Möglichkeiten gibt es in jedem Land. Doch auch wenn wir es bisher geschafft haben jeder dieser Situationen mehr oder weniger glimpflich zu entkommen, heißt das noch lange nicht, dass wir einen nachmittäglichen Sonntagsspaziergang durch Aleppo heil überstehen würden und darauf kommt es nämlich an: Auf die liebe Wahrscheinlichkeit und den noch wichtigeren gesunden Menschenverstand.

Achtung, Zynismuskeule!

Was viele Menschen hinter den sich langsam auftürmenden und ironischerweise sicherheitsvorgaukelnden Mauern Europas vergessen: Auch in anderen Ländern werden Menschen alt. Diese Menschen müssen es bisher doch auch irgendwie geschafft haben den neben jeder Mülltonne lauernden Bombenattentaten zu entgehen oder vom Bäcker ihr Sonntagsbrot zu holen ohne über den Haufen geschossen zu werden. In Wahrheit haben wenige Menschen in Europa Ahnung vom Oman, doch scheinen sich viele sofort einig zu sein: „Da müssen sie lauern, die verrückten Islamisten!“ – Angst vor dem Unbekannten schürt nunmal Verschlossenheit.

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Oman ist das sicherste arabische Land

Nach unserer anfänglichen Idee in den Oman zu reisen unternehmen wir daher einfach einen kurzen Realitätscheck und siehe da: Die überaus nützliche Homepage des österreichischen Außenministeriums gibt uns wie so oft recht: „Guter Sicherheitsstandard, Sicherheitsstufe 1“ (Stand Februar 2019). Das erstaunt sogar uns, denn ehrlich gesagt hatte kein einziges Land, das wir im letzten Jahr bereist haben, eine derart niedrige Sicherheitsstufe – okay, Island vielleicht. Eine weitere Recherche ergibt, dass der Oman tatsächlich das sicherste arabische Land ist! Unsere bereits nicht vorhandenen Sorgen werden also bestätigt und schon folgt die Flugbuchung.

Vor Ort kommt dann die weitere Bestätigung: Omans Einwohner sind nicht nur höflich und interessiert sondern auch zuvorkommend und gastfreundlich. Nach dem Besuch eines Forts werden uns vom Wachmann Kardamonkaffee und Datteln angeboten, wir schauen mit ihm für ein paar Minuten ein Kamelrennen im Fernsehen, wechseln ein paar Worte und ziehen anschließend wieder weiter. An einem anderen Abend hält während des Zeltaufbaus plötzlich ein Wagen neben uns, der Fahrer fragt lediglich: „Benötigt ihr Hilfe?“, wir lehnen dankend ab und er fährt weiter. Man fragt uns überall woher wir kommen, möchte mit uns plaudern, uns die Hände schütteln oder uns einfach ansehen – etwas Neugier gegenüber fremden Menschen finden wir im Übrigen völlig in Ordnung und ganz natürlich. Militärische Checkpoints gibt es nur nahe der Grenze zum Jemen, die Beamten sind sehr höflich und ruhig. Das sind nur wenige der Momente, die wir tagtäglich erleben, die Leute im Oman sind einfach nett. Punkt.

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die Sache mit dem Campen

Wildcampen und sogar Biwakieren ist im Oman wirklich absolut kein Problem und war für uns Voraussetzung, da das Land keine Hostels besitzt und Hotels für beinahe 4 Wochen einfach zu teuer gewesen wären. Man kann sein Auto einfach irgendwo in freier Natur parken und aus Höflichkeit gelten natürlich die gleichen Regeln wie überall: nicht zu nahe an Privathäusern campen und den Stellplatz anschließend so hinterlassen, wie man ihn aufgefunden hat. Wir suchen uns im Vorhinein einige schöne Wadis oder geschützte Bereiche auf Google Maps heraus, schlafen manchmal aber auch ganz spontan direkt neben der Landstraße, weil wir die Zeit übersehen haben und keine Lust haben das Zelt im Dunkeln aufzubauen. Nur drei mal müssen wir im Auto schlafen, die Gründe sind aber nur sehr starker Wind, zu felsiger Boden für die Zelthaken oder herumliegende Ziegenkadaver, die streunende Hunde oder Wölfe anlocken könnten.

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let’s talk money

An mehreren Stellen lesen wir, dass der Oman so unglaublich teuer sein soll und können diese Behauptung überhaupt nicht unterstreichen. Unseren Flug verlegen wir von der Hauptstadt Muskat einfach ins Nachbarland nach Dubai und sparen uns somit gleich einmal die Hälfte des Preises. Unser Mietauto buchen wir wie immer von zu Hause aus. Dass man sich an direkter Quelle zum Erdöl befindet, realisiert man spätestens beim ersten Stopp an einer Tankstelle, denn der Benzinpreis liegt im Oman bei zirka €0.40,- pro Liter, eine ganze Tankfüllung kostet uns demnach umgerechnet etwa €15 – kann man mal machen! Auch sonst haben wir nichts zu meckern, die Supermarktpreise sind vernünftig und mit den österreichischen zu vergleichen (hier muss man bitte bedenken, dass viele Produkte per Schiff importiert werden müssen), und die Eintrittspreise liegen meistens bei etwa €1. Das einzig wirklich teure sind Hotels, leider benötigen aber auch wir von Zeit zu Zeit eine Dusche.

Jetzt aber zum Hauptgrund, warum wir uns auch noch restlos in den Oman verliebt haben: Dieses Land ist modern und definitiv auf Touristen eingestellt! Das Tragen eines Hijabs wird nur beim Besuch von Moscheen verlangt,  das relativ neue Straßennetz ist gut ausgebaut, es gibt kostenlose, öffentliche Toiletten und Trinkwasserstellen, gut funktionierendes WLAN in den Unterkünften oder anderen Einrichtungen und überdachte Unterschlüpfe um sich auch bei schwierigen Wetterbedingungen – in diesem Fall starker Hitze – im Freien aufhalten zu können. In jedem noch so kleinen Ort sieht man Bemühungen zur Müllbekämpfung, Natur und vor allem die Strände sind sauber. Wir möchten jetzt nicht über andere Länder schimpfen (hust, Island), aber wie kann es sein, dass ein Land mit so wenig Tourismusaufkommen es trotzdem schafft eine angenehme Atmosphäre für seine Besucher zu schaffen? Wie kann es sein, dass ein Land mit so wenig Wasserressourcen immer frisches Trinkwasser für alle seine Bewohner plus Touristen zur Verfügung stellt? Sogar mitten in der Wüste finden wir Wassertanks mit Zapfsäulen! Andere Staaten, vor allem ein ganz gewisses im hohen Nordwesteuropa, dürfen sich hier ruhig eine Scheibe abschneiden.

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falls es noch irgendwelche Zweifel gibt …

Wir möchten also zusammenfassen: Der Oman ist absolut sicher und es gibt Möglichkeiten ihn kostengünstig zu bereisen, aus kultureller Sicht gibt es wunderschöne, alte Forts und Moscheen ausgestattet mit antiken Perserteppichen und Ausblicken über anliegende Hügelketten und Dattelplantagen. Hinzu kommt das für die arabische Welt so typische, köstliche Essen, Sandwüsten, Gebirge, verlassene Strände, Nationalparks mit brütenden Schildkröten, tiefe Schluchten, steile Klippen, viele Wandermöglichkeiten, schönes Wetter und die Freiheit der unendlichen Straßen. Trotz seiner Unruhen, Missverständnisse und Schwierigkeiten trauen wir uns ganz laut zu sagen: Wir lieben den Nahen Osten! Und ganz besonders lieben wir den Oman.

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