Zwangsentschleunigung in Nepal und was man aus einem kleinen Tief lernen kann

Wenn wir das Datum unseres letzten „richtigen“ Beitrags sehen, kriegen wir fast einen kleinen Schock. Lieber Blog, wir haben dich nicht vergessen! Doch die letzten Monate liefen einfach nicht so ganz wie geplant und deshalb war es hier ein bisschen still – zu still! Doch mit neu gewonnener Energie kommt ja bekanntlich auch die Kreativität wieder zurück und somit wird es heute Zeit für ein kleines Update aus unserem turbulenten Leben.

Nepal war im Bezug auf viele Punkte eine etwas schwierige Reise, vorallem eine Fußverletzung hat uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Urprünglich hatten wir geplant zumindest zwei bis drei Wochen zu wandern, doch das war leider nicht möglich. Und auch wenn wir verletzungsbedingt keine Nachteile in Kauf hätten nehmen müssen, dann hätte uns höchstwahrscheinlich das Wetter einen Streich gespielt – Nepal hatte dieses Jahr nämlich mit seinem härtesten Winter seit 30 Jahren zu kämpfen und einige Trails waren deshalb nur bedingt begehbar oder ganz gesperrt. Am Ende konnten wir uns zum Glück trotzdem unseren Traum von der Gipfelbesteigung des Thorang La Passes bei perfekten Wetterbedinungen erfüllen.

Jedoch hatten wir während der gesamten Reise ein bisschen zu viel Zeit für eine verhältnismäßig ungleiche Möglichkeit an Aktivitäten. Die Flüge umbuchen konnten wir aber nicht, da wir einen Teil der Reise mit zwei Freunden machen wollten und somit haben wir einfach versucht das Beste daraus zu machen. Wir sind an manchen Orten einfach länger geblieben als ursprünglich geplant und konnten der Situation auch viel Positives abgewinnen, hatten viel Kontakt mit Einheimischen und haben uns wie zwei Raupen Nimmersatt durch die nepalesische Küche gefressen. Es war so etwas wie … Urlaub. Nur irgendwie waren das nicht ganz wir, uns fehlte das Abenteuer.

Vielleicht liegt es daran, dass wir die vorangegangenen 9 Monate mit dem Zelt unterwegs waren, aber auf eine gewisse Weise entspricht das typische Backpacken nicht mehr so ganz unserem Reisestil. Ständig ist man von anderen Faktoren wie zum Beispiel öffentlichen Transportmitteln abhängig, sieht lediglich die „leicht zugänglichen“ Orte und zusätzlich kommt der größte Nachteil hinzu, den wir liebevoll den „Aggressionsbackpacker“ nennen.

Wenn du beim Reisen an ein kleineres Budget gebunden bist, kommst du leider nicht umhin hie und da ein Hostel in Anspruch zu nehmen und dort findest du ihn dann. Der Aggressionsbackpacker gibt Sätze wie „Ach, dort wart ihr nicht? Schade, das war die beste Erfahrung meines ganzen Lebens!“ von sich oder sucht zwanghaft Unterhaltungen, die sich nur darum drehen in wie vielen Ländern er war und welche amazing experiences er dort hatte. Es geht ums Vergleichen und Prahlen. Über dieses Thema könnte man eigentlich einen eigenen Beitrag füllen und vielleicht kann es der ein oder andere nachvollziehen, wenn wir uns fragen: Wann ist Reisen eigentlich zu einem Machtkampf geworden? So oft begegnet man in Hostels Menschen, die scheinbar nur darauf warten dir ihre Lebensgeschichte zu erzählen und welche Epiphanien sie beim Yogaretreat mit veganem Saftfasten und anschließenden Einläufen hatten. Und als ob das noch nicht genug ist, kommt in Nepal leider noch ein weiterer Aspekt hinzu: Die Panikmache! Es ist schon richtig, dass Wandern über 3500 Metern einige Gefahren mit sich bringt, aber man kann die Kirche mal getrost im Dorf lassen und Facebookforenposts über verstorbene Touristen und gleichzeitigen Erzählungen wie geil die Wanderung doch sei – was offensichtlich nur der Selbstbeweihräucherung dient – doch echt getrost sein lassen. Wir haben das Gefühl, dass viele Menschen nur nach Nepal kommen, weil es geil klingt. Es geht weniger um die Erfahrung in der Natur, sondern eher um den Gedanken „Das habe ich erledigt.“. Wir konnten dieser Athmosphäre leider nicht sehr viel abgewinnen, irgendwie sind wir aus dieser ständigen „Vergleichskultur“ ein bisschen rausgewachsen. Ja das Himalayagebirge ist natürlich sehr schön, aber auch überlaufen und leider ein bisschen unauthentisch (zumindest die Gegend, in der wir unterwegs waren). Wir bevorzugen mittlerweile einfach untouristischere Gegenden.

Eigentlich hatten wir geplant nach Nepal eine Backpackingreise durch Zentralasien zu machen, doch ehrlich gesagt hat es sich nicht mehr richtig angefühlt. Wir sind länger als geplant in Wien geblieben und die Fußverletzung wurde zu 100% auskuriert. Im Moment befinden wir uns auf einer Reise durch den Balkan, wo wir wieder mit Mietautos die Gegend unsicher machen und nicht ständig in Kontakt mit anderen Reisenden sind. Wie lange wir genau unterwegs sind, wissen wir noch nicht, aber eines können wir mit Sicherheit sagen: Es war die absolut richtige Entscheidung! Glücklicher als hier auf unserem Balkon mit Blick über den Hafen von Kotor in Montenegro könnten wir gerade nicht sein!

Die Reise nach Zentralasien wird übrigens im Herbst nachgeholt, dafür wieder etwas individualistischer und mit definitiv mehr Abenteuerfaktor! Dass Campen einfach unsere liebste Reiseart ist, haben wir jetzt definitiv gelernt und werden es in den letzten Monaten unserer Reise sicher nicht zu kurz kommen lassen. Ein kleines Tief darf man manchmal nicht zu ernst nehmen, denn oft ist es nur die Möglichkeit zu erkennen, was einen wirklich glücklich macht.

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