Reisetagebuch Kasachstan #1 – „Falls euch die Polizei aufhalten sollte, bestecht sie einfach.“

Dass wir mit Zentralasien ein völlig neues Reisekapitel aufschlagen, merken wir bereits am ersten Tag nach unserer Ankunft. Zunächst können wir noch nicht richtig einordnen, warum wir uns hier ein klein bisschen unwohl fühlen. Doch ziemlich schnell wird klar, dass der Kommunismus in Kasachstan stärker vertreten ist als wir anfangs gedacht hätten und es offensichtlich daran liegt.

Leninstatuen und Plattenbauten prägen das Stadtbild Almatys, dem Startpunkt unserer Reise. „Es ist hier irgendwie so eigenartig leise“, fällt uns auf während wir eine der klasterförmig angeordneten Straßen entlang spazieren. Auch in der Metro, deren Stationen uns ganz stark an jene in Moskau erinnern, ist es verdächtig still. Die Fahrgäste wirken möglichst darauf bedacht nicht aufzufallen. Und während wir in gewohnter Manier munter drauf los plappern, ernten wir ein paar empörte Seitenblicke. Am Eingang werden die Taschen gescannt, anschließend befördern uns endlose Rolltreppen etwa hundert Meter in die Tiefe. Man fühlt sich als würde man durch Minenschächte in eine Art Bunkeranlage gelangen, Fotografieren ist hier streng verboten – dient dieser Ort wirklich nur dem öffentlichen Transport oder geht unsere Fantasie gerade ein bisschen mit uns durch?

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Wieder an der Oberfläche angekommen bemerken wir, dass sich Almaty ganz offensichtlich bemüht einen westlichen Eindruck zu vermitteln: Hier ein Starbucks, dort buntes Graffiti an einer Häuserwand und weiter drüben ein glänzender Armanistore. Es gibt schöne Parks, die zum Verweilen einladen und auffallend sauber ist es auch. Es sind nur ein bisschen zu wenig Menschen auf den Straßen um dem Ganzen etwas mehr Leben einzuhauchen. Die Einwohner selbst wirken recht wohlhabend, was dem Erfolg von Kasachstans Staatsoberhaupt zuzuordnen ist, der kein Geheimnis daraus macht, dass ihm Wirtschaft wichtiger sei als Demokratie. Da Kasachstan aber offiziell ein sehr sicheres Reiseland ist und wir ohnehin nichts daran ändern können, wollen wir uns an den diktaturähnlichen Verhältnissen erst einmal nicht weiter stören. Wir verbringen die ersten beiden Tage recht gemütlich, spazieren umher, fahren mit der Seilbahn auf den Hügel Kok Tobe, kaufen am Green Market unser Gemüse ein, besuchen die Zentralmoschee, besorgen Campingutensilien und verschaffen uns einen ersten Eindruck. Liebe auf den ersten Blick ist Almaty nicht gerade, aber man bekommt hier alles, was man benötigt.

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Für unseren geplanten Roadtrip holen wir am dritten Tag unser Mietauto ab und bekommen zu den üblichen Einweisungen was Versicherung und Straßenverkehr betrifft auch ganz offiziell mitgeteilt: „Falls euch die Polizei aufhalten sollte, bestecht sie einfach. Wenn ihr im Recht seid und nichts getan habt, reicht eine Summe zwischen umgerechnet zwei und zehn US-Dollar. Falls ihr tatsächlich eine Verkehrsregel gebrochen habt, dann mehr – je nach Situation.“ Wir fragen, wie wir mit den Polizisten denn überhaupt kommunizieren sollen, denn wir sprechen ja weder Kasachisch noch Russisch. „Tja, dann ruft ihr mich einfach an, ich regel das schon.“ „Wir haben leider keine SIM-Karte für Kasachstan. Glauben Sie wären die Polizisten bereit von ihrem persönlichen Handy aus anzurufen?“ „Das denke ich nicht. Wahrscheinlich wird es ihnen dann einfach zu blöd und sie lassen euch fahren.“ So weit, so gut. Wir nehmen unser Mietauto – einen etwas mitgenommenen SUV – entgegen und der junge Kasache erklärt weiter, dass die schwarzen Spritzer am Lack vom Asphalt stammen, der sich hier unter der Hitze der Sommermonate verflüssigt. Wir müssen in diesem Land wohl noch so einiges lernen, doch jetzt wollen wir erstmal ganz schnell in die Wüste!

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