Alleinreisen als Frau – jetzt oder nie!

In diesem Beitrag werdet ihr kein einziges „wir“ entdecken, denn dieses Mal geht es nur um mich. Um mich und ein Vorhaben, das schon länger irgendwo in den hintersten Ecken meiner Gedanken herumschwirrt und nun endlich offiziell in die Tat umgesetzt wird. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wo ich anfangen soll, aber ich spule einfach mal zurück …

Ich sitze in Samarkand in Usbekistan und es ist Jonathans Geburtstag – er wird heute 30 Jahre alt. Obwohl es noch ein Jahr dauern wird bis mir der gleiche Geburtstag bevorsteht und ich mit dem Älterwerden ansich überhaupt kein Problem habe, löst dieser Abend trotzdem etwas in mir aus. In Gedanken gehe ich all die wunderbaren Erlebnisse durch, die ich in meinen Zwanzigern bereits erfahren durfte: Ich bin in meine persönliche Traumwohnung gezogen, habe mir einen Hund zugelegt, die Liebe meines Lebens gefunden, habe geheiratet und die Welt bereist. Ich bin wirklich glücklich und es gibt nichts, das mir fehlen würde. Trotzdem kommt es an diesem Abend wie es kommen muss und ich stelle mir die Frage ob ich alles „erreicht“ habe wovon ich geträumt habe es in meinen Zwanzigern zu tun – und nein, ich rede hier auf keinen Fall von Karriere, die war mir nämlich immer schon egal. Plötzlich höre ich mich selbst sagen: „Du weißt ganz genau, eine Sache gäbe es da noch.“

Keine Ahnung warum, aber Anfang Zwanzig hatte ich einfach überhaupt keine Lust auf eine Beziehung und habe mir immer vorgestellt was ich alles alleine erleben könnte. Ob Wohnen, Wanderungen oder große Reisen: Ich wollte mir mein Leben einfach total selbstständig aufbauen und von niemandem abhängig sein. Tja, zwei Monate später habe ich Jonathan kennengelernt – Ironie des Lebens nennt man das.

Kombi-Bild

Aus dem Traum vom Alleinreisen durch die Welt wurde also nichts und ich konnte all meine Wünsche mit einem Partner an meiner Seite erfüllen, der diese Träume teilt – umso besser! Doch wer in einer langjährigen Beziehung ist, kennt es vielleicht: Man neigt nach einiger Zeit einfach dazu sich auf den anderen zu verlassen und wird ein bisschen unselbstständiger als man es alleine wäre. Oder etwas schöner formuliert: Man kann sich im Schutz einer Partnerschaft viel mehr fallen lassen und muss unangenehmen Situationen nicht alleine entgegen treten – dabei schließt das eine das andere gar nicht zwangsläufig aus. Es ist wirklich lächerlich, aber irgendwie stresst mich der Gedanke alleine zu reisen heute viel mehr als noch vor zehn Jahren, doch damit ist jetzt Schluss!

„Wer alleine reist, hat irgendwann in sich hineingehört und sich gefragt, was er selbst wirklich will. Und dann hat er auf sich gehört.“

Wie jeder anständige Millennial frage ich an diesem Abend in Samarkand daher erst einmal das Internet um Rat, tippe „female solo travel“ in die Suchleiste von Youtube ein und klicke auf das erste Video, das mir angezeigt wird: „Why I started solo traveling“ von Allison Anderson. Ich hätte es wirklich nicht erwartet, aber was mir diese amerikanische Bloggerin da erzählt, klingt für mich so banal einleuchtend, dass ich von dem Gedanken des Alleinreisens plötzlich total fasziniert bin. Vor allem der Satz „If I don´t go to these places by myself, I will never go at all“ prägt sich mir besonders ein. Wenn ich jetzt meine Chancen nicht ergreife, wann dann?

Und nun sitze ich hier in Wien, schreibe diesen Beitrag und mache somit Nägeln mit Köpfen: Mein Ziel ist es bis zu meinem 30. Geburtstag alleine eine Reise anzutreten und mehrere Wanderungen zu absolvieren! Möglicherweise halte ich es auch öffentlich fest, damit ich ja keinen Rückzieher machen kann. Was mein Vorhaben konkret bedeutet, werde ich ein anderes Mal erzählen, aber so viel sei gesagt: Der Kahlenberg alleine ist mir ein bisschen zu wenig …